Star Trek: The Next Generation – „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ im Überblick
Die Star Trek Next Generation Serie gehört zu den prägendsten Science-Fiction-Produktionen der Fernsehgeschichte. Über sieben Staffeln hinweg erzählte sie Geschichten, die zwischen philosophischen Gedankenexperimenten und packender Weltraumdramatik pendelten – und dabei Millionen von Zuschauern begeisterten. In diesem umfassenden Artikel betrachten wir die Serie aus der Perspektive des Filmlexikons: als Kultserie, als filmisches Lehrstück und als Meilenstein, der bis heute nachwirkt.

Kurze Antwort: Lohnt sich „Star Trek: The Next Generation“ heute noch?
Ja, und zwar aus mehreren Gründen. Star Trek: The Next Generation – im Deutschen als „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ bekannt – bietet nicht nur spannende Science-Fiction-Unterhaltung, sondern auch ein Lehrstück in Sachen Serien-Dramaturgie, Figurenentwicklung und TV-Ästhetik der späten 1980er und frühen 1990er Jahre. Wer die Serie heute zum ersten Mal entdeckt, findet ab Staffel 3 eine erzählerisch und filmisch bemerkenswert starke Produktion mit ikonischen Episoden rund um Captain Jean-Luc Picard, gespielt von Patrick Stewart.
Aus der Perspektive unseres Filmlexikons ist TNG gleichermaßen Genussfernsehen und Analyseobjekt: Die Serie zeigt exemplarisch, wie sich ein Format von einem holprigen Start zu einer der meistdiskutierten Fernsehproduktionen des 20. Jahrhunderts entwickeln kann. Heute ist die Serie in verschiedenen Fassungen zugänglich – von restaurierten Blu-ray-Boxen bis zu diversen Streaming-Angeboten, sodass einem Einstieg nichts im Wege steht.
Grunddaten der Serie „Star Trek: The Next Generation“
Die Serie „Star Trek: The Next Generation“ (TNG) wurde in den USA vom 28. September 1987 bis zum 23. Mai 1994 erstausgestrahlt. Die Serie „Star Trek: Die nächste Generation“ lief von 1987 bis 1994 und umfasst insgesamt sieben Staffeln mit 178 Episoden, wobei jede Folge eine Laufzeit von etwa 44 bis 46 Minuten hat. Als Fernsehserie wurde TNG von Paramount Television produziert – ein Format, das im sogenannten First-Run-Syndication-Modell vertrieben wurde, also ohne festes Network, direkt an lokale Sender in Syndication verkauft.
Die Handlung von TNG spielt im 24. Jahrhundert, circa 2364 bis 2370, also rund 100 Jahre nach den Abenteuern von Captain Kirk in der klassischen Star-Trek-Serie, die im Fandom häufig als TOS (The Original Series) bezeichnet wird.
Hinter der Kamera zeichneten sich mehrere kreative Köpfe verantwortlich: Gene Roddenberry fungierte als Serienschöpfer und steuerte in den ersten Jahren die künstlerische Vision. Nach seinem Tod 1991 übernahmen Rick Berman und Michael Piller als prägende Produzenten und Showrunner die Verantwortung. Für die musikalische Untermalung sorgten vor allem Dennis McCarthy, Jay Chattaway und Ron Jones. Das Budget pro Folge lag bei beachtlichen 1,3 Millionen US-Dollar – eine für das einstündige Fernsehen der späten 1980er ungewöhnlich hohe Summe.
In Deutschland lief die Serie unter dem Titel „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“, gelegentlich auch verkürzt als „Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ oder als „Star Trek – Das nächste Jahrhundert“. Die deutsche Erstausstrahlung begann 1990 im ZDF. Im englischen Sprachraum und unter Fans weltweit hat sich die Abkürzung TNG als Standardbezeichnung für The Next Generation durchgesetzt.
Handlung und Prämisse: Die Mission der Enterprise-D
Die USS Enterprise NCC-1701-D – ein Raumschiff der Galaxy-Klasse und Flaggschiff der Sternenflotte – erkundet unter dem Kommando von Captain Picard das All, sucht den Kontakt zu neuen Zivilisationen und verhandelt Konflikte im Namen der Vereinigten Föderation der Planeten. Die Besatzung der USS Enterprise-D umfasst Charaktere wie Jean-Luc Picard und Data, die gemeinsam mit einer vielfältigen Crew Herausforderungen begegnen, die von interstellarer Diplomatie über wissenschaftliche Rätsel bis hin zu existenziellen Bedrohungen reichen.
TNG übernimmt die klassischen Star-Trek-Motive – Erforschung, Diplomatie, moralische Dilemmata – und überführt sie in ein erneuertes Serienformat der späten 1980er. Dabei setzt die Serie auf eine überwiegend episodische Struktur: Jede Folge erzählt ein weitgehend in sich geschlossenes Problem, doch wiederkehrende Figuren, Spezies und politische Konstellationen bilden ein dichtes narratives Netz. Die Borg und das Wesen Q sind wiederkehrende Antagonisten in der Serie, die das Universum von TNG ebenso prägen wie die Klingonen, Romulaner und Cardassianer.
Das Grundsetting der Enterprise-D unterscheidet sich markant von ihrem Vorgänger: Das Galaxy-Klasse-Raumschiff transportiert nicht nur Offiziere, sondern auch Familien mit Kindern. Orte wie das Holodeck – eine simulierte Realität für Erholung und Training – und die Bar „Ten Forward“ dienen als dramaturgische Schauplätze, an denen Figuren außerhalb von Dienstsituationen interagieren. Diese Räume ermöglichen den Autoren, persönliche Geschichten und philosophische Reflexionen abseits der Brücke zu erzählen, was der Figurenzeichnung zugutekommt.
Die Hauptthemen der Serie beinhalten Erkundung, Ethik und Diplomatie – und bilden damit das thematische Rückgrat eines Formats, das Unterhaltung und intellektuellen Anspruch verbindet.

Die Figur des Captain Jean-Luc Picard (Patrick Stewart)
Jean-Luc Picard ist ein französischer Sternenflottenoffizier, der die Enterprise-D ab dem Jahr 2364 kommandiert. Nachdenklich, diplomatisch, literatur- und geschichtsbegeistert, verkörpert er einen Typ von Anführer, der im Fernsehen der 1980er selten war: einen Captain, der lieber verhandelt als kämpft, der Shakespeare zitiert und der das Gewicht seiner Entscheidungen spürbar auf den Schultern trägt.
Patrick Stewart brachte seine langjährige Erfahrung aus dem klassisch britischen Theater und der Royal Shakespeare Company in die Rolle ein. Seine ruhige Autorität, die starke Stimme und die Fähigkeit, mit einem einzigen Blick eine ganze Szene zu tragen, machten Picard zu einer der ikonischsten Figuren der Fernsehgeschichte. Stewarts Schauspielstil, geprägt von Shakespeare-Interpretationen und Bühnenpräsenz, verlieh der Serie eine ernsthafte, fast literarische Qualität.
Im Kontrast zu Captain Kirk – dem Draufgänger und Abenteurer der Originalserie – ist Picard stärker intellektuell, moralphilosophisch und politisch orientiert. Wo Kirk mit den Fäusten argumentiert, wählt Picard den Dialog. Diese Unterscheidung ist nicht nur charakterlich, sondern thematisch programmatisch: TNG verlagert den Fokus vom individuellen Heldentum auf kollektive Entscheidungsfindung und ethische Reflexion.
Im Verlauf der Serie wandelt sich Picard von einem kühlen Kommandanten zu einer vielschichtigen Figur. Captain Jean-Luc Picard wird von einem distanzierten Kommandanten zu einer väterlichen Figur, die zunehmend emotionale Verletzlichkeit zeigt – besonders nach der traumatischen Gefangenschaft und Assimilierung durch die Borg. Diese Entwicklung macht ihn zu einer der komplexesten Hauptfiguren im Science-Fiction-Fernsehen.
Patrick Stewarts Kritik an den frühen Staffeln
Die ersten beiden Staffeln wurden von Patrick Stewart kritisiert – und zwar rückblickend mit bemerkenswerter Offenheit. In Interviews und in seiner Autobiografie sprach Stewart wiederholt über seine Unzufriedenheit mit der Darstellung von Picard in den frühen Jahren der Serie. Captain Picard hatte anfangs zu wenig emotionale Tiefe, zu wenig Wärme und Spontaneität, wie Stewart selbst einräumte.
Seine Kritikpunkte waren konkret: Die Drehbücher der ersten Staffeln gaben Picard kaum Privatleben, wenig innere Konflikte und nahezu keinen Raum für Humor oder Verletzlichkeit. Die Figur war zu stark auf formale Autorität beschränkt – ein Problem, das Stewart auf Gene Roddenberrys Vision zurückführte. Roddenberry vertrat die Idee, dass Sternenflottenoffiziere im 24. Jahrhundert kaum interne Konflikte zeigen sollten, da die Menschheit ihre persönlichen Schwächen weitgehend überwunden habe. Diese Vorgabe schränkte die Dramaturgie erheblich ein und führte zu Figuren, die zwar integer, aber dramaturgisch wenig ergiebig waren.
Stewart beschrieb seine eigene Performance als „zu theatralisch“ und „übertrieben“ – er agierte noch zu sehr aus seiner Theaterlaufbahn heraus und hatte sich noch nicht an die Intimität der Kamera im Fernsehen angepasst. Patrick Stewart wurde mit der Entwicklung von Picard zufriedener, als ab Staffel 3 neue Produzenten und Autoren wie Michael Piller und Ronald D. Moore mehr Charakterfokus und serielles Erzählen etablierten. Stewart empfand die Figur ab diesem Zeitpunkt als nuancierter und menschlicher – eine Einschätzung, die von der Mehrheit der Fans und Kritiker geteilt wird.
„Wir sind nicht hier, um Spaß zu haben“ – Arbeitsatmosphäre am Set
Als Patrick Stewart 1987 aus der Welt des britischen Theaters nach Hollywood kam, brachte er ein Arbeitsverständnis mit, das in der amerikanischen TV-Produktion auf Erstaunen stieß. Für ihn war TNG zunächst etwas wie eine strenge Bühnenproduktion – mit allem, was dazugehört: Konzentration, Disziplin, professionelle Distanz.
Seine frühe Haltung am Set wurde legendär: Stewart organisierte eine Besprechung mit der gesamten Besetzung und ermahnte seine Kolleginnen und Kollegen, weniger herumzualbern und mehr Ernsthaftigkeit zu zeigen. Sein berühmt gewordenes Zitat aus dieser Zeit: „Wir sind nicht hier, um Spaß zu haben.“ Eine Aussage, die er später mit einem Augenzwinkern als Fehler bezeichnete.
Denn Kolleginnen und Kollegen wie Jonathan Frakes, Marina Sirtis und Michael Dorn zeigten ihm nach und nach, dass Humor und Lockerheit die Arbeit nicht verschlechtern, sondern die Kreativität am Set fördern. Frakes – der als Riker den Ersten Offizier spielte – war dabei besonders einflussreich: Seine Warmherzigkeit und sein Sinn für Komik halfen Stewart, seine steife Haltung abzulegen.
Dieser Wandel war für Stewarts Spiel bedeutsam. Je lockerer die Atmosphäre hinter der Kamera wurde, desto menschlicher, warmherziger und ironischer wurde Picard auf dem Bildschirm. Die Figur gewann an Vielschichtigkeit – ein Prozess, der zeigt, wie stark die Arbeitsatmosphäre einer Produktion das Endergebnis vor der Kamera beeinflussen kann.

Die Hauptcrew der Enterprise-D im Überblick
TNG funktioniert als Ensemble-Serie, in der jede Figur eine spezifische narrative Funktion erfüllt. Die Figurenkonstellation ist so angelegt, dass unterschiedliche Perspektiven – kulturelle, emotionale, intellektuelle – in nahezu jeder Folge aufeinandertreffen. Die Besatzung der Enterprise-D bildet ein Team, das archetypische Rollen im Storytelling einnimmt und über die Staffeln hinweg an Tiefe gewinnt.
William Riker – gespielt von Jonathan Frakes – ist der Erste Offizier und Picards rechte Hand. Handlungsorientiert, charismatisch und loyal, übernimmt Riker oft die Rolle des Vermittlers zwischen Kommando und Crew.
Deanna Troi – dargestellt von Marina Sirtis – dient als Schiffsberaterin und ist halb Betazoidin, also eine Empathin, die Emotionen anderer Lebensformen spüren kann. Deanna Troi wächst von einer empathischen Beraterin zu einer eigenständigen Offizierin, die im Laufe der Serie zunehmend Verantwortung übernimmt und schließlich die Brückenoffiziersqualifikation ablegt.
Data – verkörpert von Brent Spiner – ist ein Android, der menschliche Emotionen verstehen möchte. Als Lieutenant Commander und Zweiter Offizier ist Data ein zentrales Element der Serie: Seine Suche nach Menschlichkeit bildet einen der langlebigsten und berührendsten Erzählstränge.
Worf, der erste Klingone in der Sternenflotte, dient als Sicherheitschef an Bord der Enterprise-D. Seine Figur – gespielt von Michael Dorn – verkörpert den Konflikt zwischen zwei Kulturen und die Frage, wo Loyalität beginnt und endet.
Beverly Crusher – gespielt von Gates McFadden – ist die Schiffsärztin, die nicht nur medizinische, sondern auch moralische Fragen aufwirft. Ihr Sohn Wesley Crusher (Wil Wheaton) beginnt als junger Kadett, der an Bord aufwächst und eine kontrovers diskutierte Rolle in den frühen Staffeln einnimmt.
Geordi La Forge – dargestellt von LeVar Burton – entwickelt sich vom Steuermann zum Chefingenieur der Enterprise. Seine Blindheit, die durch ein technisches Visor kompensiert wird, macht ihn zu einer Figur, die Technologie und Menschlichkeit verbindet.
Die Charaktere von TNG entwickeln sich von archetypischen Figuren zu komplexen Persönlichkeiten – ein Prozess, der durch filmische Mittel wie Close-Ups in emotionalen Momenten, lange Dialogszenen und sorgfältiges Blocking auf der Brücke unterstrichen wird.
Staffelstruktur: Von holprigem Start zur Kultserie
Die Entwicklung von TNG über sieben Staffeln ist eine bemerkenswerte Geschichte des Reifens – und zugleich ein Lehrstück darüber, wie eine Serie ihre eigene Stimme finden kann.
Staffel 1 und Staffel 2: Der schwierige Anfang
Die Geschichten der ersten Staffeln wirkten anfangs sperrig. In Staffel 1 dominieren ein uneinheitlicher Ton und die Wiederverwertung von Motiven aus der Originalserie. Episoden wie „The Naked Now“ recyceln TOS-Plots nahezu eins zu eins, was sowohl von Kritikern als auch von Fans negativ aufgenommen wurde. Die Charaktere blieben in den ersten zwei Staffeln blass – eine Beobachtung, die nicht nur auf Patrick Stewarts Picard zutrifft, sondern auf die gesamte Crew.
In Staffel 2 wurde zudem die beliebte Figur Dr. Beverly Crusher (Gates McFadden) durch Dr. Katherine Pulaski (Diana Muldaur) ersetzt – eine Entscheidung, die von vielen Fans nicht überzeugt aufgenommen wurde. Dennoch enthält Staffel 2 mit „The Measure of a Man“ bereits eine der stärksten Episoden der gesamten Serie, die Datas Rechte als Person verhandelt.
Der Wendepunkt ab Staffel 3
Ab Staffel 3 entwickelte sich die Serie zu ihrer vollen Stärke. Mit Michael Piller als neuem Executive Producer fand ein deutlicher Wandel statt: stärkere Figurenentwicklung, komplexere Themen, häufigere Mehrteiler. Die Einführung der Borg als existenzielle Bedrohung und die politischen Verwicklungen mit Romulanern und Klingonen gaben der Serie eine Dringlichkeit, die in den frühen Staffeln gefehlt hatte. Erst ab Staffel 3 entwickelte sich die Serie zu ihrer vollen Stärke.
Staffeln 4 bis 7: Kreative Hochphase und Abschluss
Die Staffeln 4 bis 6 gelten weithin als kreative Hochphase. Technik und visuelle Effekte verbesserten sich kontinuierlich, Dialogführung und Dramaturgie reiften zunehmend. Staffel 4 beginnt mit dem zweiten Teil von „The Best of Both Worlds“ und hält das erzählerische Niveau auf bemerkenswert konstantem Level. Staffel 7 bereitet den Übergang zu den Kinofilmen mit der TNG-Crew vor – insbesondere zu „Star Trek: Treffen der Generationen“ (1994) – und schließt die persönliche Entwicklung von Picard und der Crew konsequent ab.
Wichtige Episoden und Story-Arcs („Must See“)
Für neue Zuschauer ist es nicht nötig, alle 178 Episoden zu sehen, um die Qualität von TNG zu erleben. Eine gezielte Auswahl von Schlüsselfolgen vermittelt die erzählerische Bandbreite und das dramaturgische Können der Serie. Die folgende Liste bietet einen Überblick über zentrale Folgen, die sowohl für Unterhaltung als auch für filmwissenschaftliche Analyse geeignet sind:
„The Measure of a Man“ (Staffel 2, Folge 9): Data steht vor einem Tribunal, das über seinen Status als Person mit Rechten entscheidet. Eine der ethisch dichtesten Episoden der gesamten Serie, die Fragen nach Bewusstsein, Identität und dem Mensch-Maschine-Verhältnis stellt.
„The Best of Both Worlds, Parts I & II“ (Staffel 3, Folge 26 / Staffel 4, Folge 1): Picard wird von den Borg assimiliert und gegen die Föderation eingesetzt. Der Cliffhanger zwischen den Staffeln gilt als einer der besten in der Geschichte des Fernsehens. Diese Doppelfolge wurde in Fachmedien als eine der besten Star-Trek-Episoden aller Zeiten gewürdigt.
„Darmok“ (Staffel 5, Folge 2): Picard muss mit einem Alien kommunizieren, dessen Sprache ausschließlich auf kulturellen Metaphern basiert. Eine brillante Folge über Kommunikation, Sprache und kulturelle Differenz.
„The Inner Light“ (Staffel 5, Folge 25 – deutsch: „Das zweite Leben“): Picard erlebt innerhalb weniger Minuten ein ganzes Leben auf einem fremden Planeten. Eine Reflexion über Vergänglichkeit, Erinnerung und den Wert eines gelebten Lebens – oft als beste Einzelepisode der Serie bezeichnet.
„Chain of Command“ (Staffel 6, Folge 10/11 – deutsch: „In Ketten“): Picard wird von Cardassianern gefangen genommen und gefoltert. Politische Macht, individuelle Moral und die Grenzen des Widerstands werden in einer Intensität verhandelt, die für das Fernsehen der frühen 1990er bemerkenswert war. Gelegentlich wird auch Folge 84 in Episodenlisten als Referenz für die wachsende Reife der Mittelstageln genannt.
Diese Episoden eignen sich als Fallstudien in der Film– und Serienausbildung: für Dramaturgie-Analyse, Figurenzeichnung und die Untersuchung inszenatorischer Mittel.

Ästhetik und Bildsprache von „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“
TNG entstand im Kontext des US-Fernsehens der späten 1980er und frühen 1990er Jahre – einer Zeit, in der Studioproduktionen mit filmischen Elementen arbeiteten, aber innerhalb der Grenzen eines TV-Budgets operierten. Die Aufnahmen wurden auf 35-mm-Film gedreht, was der Serie eine Bildqualität verlieh, die deutlich über dem Standard vieler zeitgenössischer Fernsehproduktionen lag.
Kameraarbeit und Bildkomposition
Die Bildgestaltung von TNG ist klassisch und bewusst ruhig und zeigt exemplarisch, wie Inszenierung im filmischen Kontext visuelle Entscheidungen bündelt. Auf der Brücke der Enterprise-D dominieren Totalen und Halbtotale, die das Ensemble in seiner räumlichen Konstellation zeigen. Dialogszenen folgen der klassischen Shot-Reverse-Shot-Struktur: Die Kamera wechselt zwischen den Gesprächspartnern, wobei der Kameramann wenig Handkamera einsetzt und stattdessen auf ruhige Dollyfahrten und moderates Schwenken setzt. Diese konservative Bildästhetik und Bildkomposition erzeugt eine Atmosphäre der Kontrolle und Ordnung, die zum utopischen Setting der Serie passt.
Farb- und Lichtgestaltung
Die Lichtgestaltung an Bord der Enterprise-D ist hell, weich und gleichmäßig und lässt sich gut anhand grundlegender Lichttechnik in Film und Fernsehen einordnen. Beige- und Pastelltöne dominieren die Innenräume, glatte Oberflächen und glänzende Konsolen erzeugen einen High-Tech-Look, der zugleich wohnlich wirken soll. Diese ästhetische Entscheidung steht im bewussten Kontrast zur oft düsteren Sci-Fi-Ästhetik späterer Serien wie „Battlestar Galactica“ oder „The Expanse“ und spiegelt den Optimismus des Star-Trek-Universums visuell wider.
Die Lichtstimmung variiert je nach dramatischem Bedarf: In Verhandlungsszenen und auf der Brücke herrscht helles, neutrales Licht; in Episoden mit Bedrohung durch die Borg oder in Holodeck-Simulationen wird mit dunkleren, kontrastreicheren Schemata gearbeitet.
Visuelle Effekte
TNG nutzte in den frühen Staffeln klassische Modelleffekte: Physical Models der Enterprise-D, Motion-Control-Kameras für Raumschiffflüge und Compositing-Techniken für Phaser- und Transportereffekte. Im Laufe der späteren Staffeln kamen zunehmend digitale Verfahren zum Einsatz – eine Entwicklung, die bei der Blu-ray-Restauration besonders sichtbar wurde.
Erzählweise, Dramaturgie und moralphilosophische Themen
Die Charakterentwicklung in TNG ist ein zentraler Aspekt ihrer Erzählstruktur. Anders als viele zeitgenössische Actionserien setzt TNG stark auf moralische Dilemmata, politische Allegorien und ethische Fragestellungen – ein Markenzeichen, das die Serie von Anfang an als intellektuell ambitioniert positionierte.
Episodischer Aufbau mit seriellen Elementen
Die Erzähltechnik von TNG folgt überwiegend dem Modell „Problem der Woche“: Jede Fernsehepisode präsentiert eine in sich geschlossene Herausforderung, die innerhalb von 44 Minuten gelöst wird. Zugleich durchziehen wiederkehrende Motive und Story-Arcs die gesamte Serie – die Borg-Bedrohung, die politischen Intrigen der Klingonen, Datas fortschreitende Suche nach Menschlichkeit.
Die Episode von TNG behandelt oft philosophische und ethische Fragestellungen der modernen Gesellschaft. Die Serie thematisiert die Erste Direktive als Prinzip zur Nicht-Einmischung in fremde Kulturen – ein Konzept, das in zahlreichen Folgen als moralisches Dilemma durchdekliniert wird. Darf die Sternenflotte eine Zivilisation retten, die noch nicht reif für den Kontakt ist? Wo endet Hilfsbereitschaft, wo beginnt Imperialismus?
Gesellschaftliche Themen der 80er und 90er
TNG spiegelt reale Diskurse seiner Entstehungszeit: Kalter Krieg (die Romulaner als Analogie zur Sowjetunion), Menschenrechte (Datas Kampf um seinen Personenstatus), Technologiekritik und KI-Ethik (die Holodeck-Episoden um Bewusstsein und Simulation), Diplomatie versus Militarismus (Picards Verhandlungen mit anderen Spezies) – und bietet damit zahlreiche Anknüpfungspunkte zu einem umfassenden Filmlexikon rund um filmische Begriffe und Kontexte.
Die Serie zeigt eine Zukunft ohne Hunger, Armut oder Geld. Diese Vision einer postmateriellen Gesellschaft ist kein bloßer Hintergrund, sondern wird aktiv zum Thema gemacht – etwa wenn die Enterprise-D auf Kulturen trifft, deren Werte mit denen der Föderation kollidieren. Science-Fiction dient hier als filmisches Mittel zur Verfremdung: Aliens, Holodeck-Simulationen und fremde Welten ermöglichen die Diskussion realer Probleme in einem sicheren narrativen Rahmen. Der Optimismus der Serie reflektiert einen Glauben an eine verbesserte Zukunft der Menschheit.
Musik, Sounddesign und Intro-Sequenz
Das Intro von TNG gehört zu den bekanntesten Vorspannen der Fernsehgeschichte: Eine Kamerafahrt gleitet an Planeten vorbei, die Enterprise-D durchkreuzt das Bild im Warp-Flug, und das Voice-over von Jean-Luc Picard spricht die klassische Star-Trek-Formel: „Space, the final frontier…“ In der deutschen Synchronfassung wurde dieser Text adaptiert und mit der entsprechenden Stimme von Picards deutschem Sprecher eingesprochen – ein Moment, den viele Fans im Nächste Jahrhundert mit Nostalgie verbinden.
Die Titelmusik basiert auf Jerry Goldsmiths Thema aus „Star Trek: The Motion Picture“ und wurde für TNG adaptiert. Dennis McCarthy – einer der Hauptkomponisten der Serie – schuf darüber hinaus zahlreiche Episoden-Scores, die die emotionale Wirkung der Serie verstärken: leise Streicher untermalen moralische Konflikte, markante Blechbläser-Motive begleiten Borg-Begegnungen und Schlachtszenen, und die sterile, futuristische Geräuschkulisse an Bord – das konstante Summen der Schiffssysteme, die Signaltöne der Konsolen – erzeugt eine akustische Grundatmosphäre, die sofort als Star Trek erkennbar ist.
Für die Blu-ray-Neuauflage wurden Ton und Musik überarbeitet und in einem neuen 7.1 DTS HD Master Audio-Mix bereitgestellt. Diese akustische Restauration ist besonders für cinephile Zuschauer und Filmstudierende interessant, da sie die klangliche Dimension einer 1980er-TV-Produktion in zeitgemäßer Qualität erfahrbar macht.

Produktion, Showrunner-Wechsel und kreative Entwicklung
Hinter der Kamera von TNG fand ein deutlicher Wandel statt, der die Serie nachhaltig prägte. Die ersten Staffeln hatten kreatives Chaos hinter den Kulissen: Gene Roddenberrys Kontrolle über die Drehbücher war rigide, seine Vorgaben – keine interpersonellen Konflikte unter der Crew, keine moralische Ambiguität bei der Sternenflotte – schränkten die Autoren stark ein. Roddenberry schrieb Skripte um, entließ Autoren und bestand auf einer idealistischen Vision, die zwar philosophisch kohärent, aber dramaturgisch limitierend war.
Der Wechsel ab Staffel 3
Nach Roddenberrys zunehmendem Rückzug aus dem Tagesgeschäft – und seinem Tod 1991 – übernahmen Rick Berman und Michael Piller die kreative Steuerung. Piller legte besonderen Wert darauf, dass jede Episode einen persönlichen Bezug zu einer der Hauptfiguren haben musste. Diese Regel veränderte die Serie grundlegend: Plötzlich standen Charakterbögen, wiederkehrende Konflikte und dunklere Themen im Vordergrund.
Wichtige Autoren und ihr Einfluss
Zu den prägenden Autoren gehörten Ronald D. Moore, der die klingonischen Politikstränge verantwortete und später „Battlestar Galactica“ schuf, sowie Brannon Braga, der die Science-Fiction-Konzepte der späteren Staffeln vorantrieb, und Jeri Taylor, die unter anderem „Star Trek: Voyager“ mitentwickelte. Diese Autoren brachten eine Diversität an Stimmen und Vorschlägen ein, die das erzählerische Spektrum von TNG erheblich erweiterten.
Produktionsweise
Der Drehplan entsprach dem Rhythmus des Network-Fernsehens: 26 Episoden pro Staffel, produziert über rund neun Monate, mit straffen Zeitvorgaben. Die Sets befanden sich in den Paramount Studios in Hollywood. Besonders aufwendig war die Masken- und Make-up-Abteilung: Klingonische Stirnwülste, cardassianische Gesichtszüge und die zahlreichen Alienspezies erforderten stundenlange Maskenarbeit – ein klassisches Aufgabenfeld für Maskenbildner in der Filmproduktion und ein Aspekt, der TNG mehrere Emmy-Auszeichnungen einbrachte.
Technik, Effekte und Blu-ray-Restauration
TNG wurde ursprünglich auf 35-mm-Film gedreht – ein Umstand, der sich Jahrzehnte später als glückliche Fügung erwies. In den 1980ern wurde das Filmmaterial für die Ausstrahlung auf Videotape übertragen, wobei alles – Szenen, visuelle Effekte, Compositing – in Standard Definition zusammengeführt wurde. Das Ergebnis war ein Bild im 4:3-Format, das für die damaligen Fernsehgeräte ausreichte und sich grundlegend von heutigen Produktionen mit digitaler Kameratechnik unterscheidet.
Die Blu-ray-Restauration ab 2012
Für die Veröffentlichung auf Blu-ray ab 2012 wurden die Originalnegative aller sieben Staffeln neu gescannt und in 1080p HD aufbereitet. Sämtliche visuelle Effekte – Raumschiffaufnahmen, Phaser-Strahlen, Transportersequenzen – mussten in HD rekonstruiert oder vollständig neu erstellt werden. Zehntausende Filmrollen wurden gesichtet und bearbeitet, begleitet von einem neuen 7.1-Surround-Tonmix.
Vorteile und Grenzen
Die Vorteile für heutige Zuschauer sind erheblich: Das deutlich schärfere Bild macht Details im Produktionsdesign sichtbar, die im SD-Original kaum wahrnehmbar waren – Materialstrukturen von Uniformen, die Textur der Brückenoberflächen, die Feinheiten des Alien-Make-ups. Allerdings legt die höhere Auflösung auch manche TV-Tricks offen: Kulissenränder werden sichtbarer, und gelegentlich zeigen sich Bildrauschen oder Banding bei flachen Hintergrundflächen.
Die Produktion der Restauration kostete schätzungsweise über 12 Millionen US-Dollar. Die Blu-ray-Verkäufe der ersten Staffel lagen in der ersten Woche bei etwa 95.000 Einheiten – ein solider, wenn auch kein spektakulärer Preis für den Aufwand. Dennoch ist die Blu-ray-Edition das Referenzformat für alle, die TNG visuell und akustisch in bestmöglicher Qualität erleben möchten.
„Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ im deutschen Fernsehen
Die deutsche Erstausstrahlung von TNG begann 1990 im ZDF – nur wenige Jahre nach der US-Premiere. Die Sendetermine lagen zunächst häufig am Freitag- oder Samstagabend, teils wurden mehrere Episoden pro Woche gezeigt. Später gingen die Ausstrahlungsrechte an Sat.1 und verschiedene Kabelsender über.
Titel und Übersetzung
Der deutsche Titel „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ wurde für die Erstausstrahlung gewählt und blieb lange die offizielle Bezeichnung. In späteren Veröffentlichungen und Medienberichten etablierte sich auch die Kurzform „Star Trek – Das nächste Jahrhundert“ bzw. „Star Trek: Das nächste Jahrhundert“. Die Übersetzung des Intros und die Anpassung von Dialogpassagen für das deutsche Publikum folgten den Konventionen der damaligen Synchronpraxis.
Synchronisation
Die deutsche Synchronisation von TNG wird allgemein als gelungen bewertet. Die Sprecherrollen für Picard, Riker, Data, Troi und die übrigen Hauptfiguren wurden von erfahrenen Synchronsprechern übernommen, die den Charakteren eine eigenständige Stimme verliehen. Allerdings gingen – wie bei fast jeder Synchronisation – manche Nuancen des englischen Originaltexts verloren. Bestimmte Wortspiele, kulturelle Referenzen oder die subtile Ironie in Picards Dialog lassen sich nicht eins zu eins in die deutsche Fassung übertragen.
Kultstatus in Deutschland
Die Serie erlangte in Deutschland nach und nach Kultstatus, begünstigt durch zahlreiche Wiederholungen im Nachmittags- und Abendprogramm verschiedener Sender. Neuigkeiten über Conventions, Fan-Treffen und Merchandise trugen zur Etablierung einer lebendigen Fan-Community bei. Episoden wie „Der Überläufer“ („The Defector“) wurden prominent angenommen und gehören auch im deutschen Sprachraum zu den meistdiskutierten Folgen.
Vergleich mit der Originalserie und anderen „Star Trek“-Ablegern
TNG nimmt im Star-Trek-Franchise eine zentrale Position ein: als direkte Nachfolge der 1960er-Jahre-Serie mit Kirk und als Bindeglied zu späteren Reihen wie „Deep Space Nine“, „Voyager“ und den modernen Serien.
TOS vs. TNG
Der Vergleich der Tonalität zwischen TOS und TNG offenbart einen fundamentalen Wandel. Die Originalserie war eher pulpig-abenteuerlich: Kirk als actionbetonter Held, der fremde Welten mit den Fäusten und dem Phaser erobert. TNG hingegen ist reflektierter, diplomatischer, stärker auf das Ensemble ausgerichtet und politischer in seinen Themen. Wo TOS den Menschen als mutigen Abenteurer zeigt, zeigt TNG den Menschen als verantwortungsvollen Diplomaten.
Einfluss auf spätere Serien
Visuell und dramaturgisch diente TNG als Vorlage für nahezu alle folgenden Star-Trek-Produktionen. Die Set-Struktur – Brücke, Maschinenraum, Besprechungsraum, Quartiere – wurde zum Standard. Die Idee von Staffelbögen mit wiederkehrenden Antagonisten und politischen Intrigen fand ihre Weiterentwicklung in „Deep Space Nine“, das diese Elemente noch weiter in Richtung serialisiertes Erzählen trieb.
Kinofilme und Picard-Serie
Nach dem Ende der Fernsehserie 1994 setzte die TNG-Crew ihre Abenteuer in vier Kinofilmen fort: „Star Trek: Treffen der Generationen“ (1994), „Der erste Kontakt“ (1996), „Der Aufstand“ (1998) und „Nemesis“ (2002). Diese Kinofilme boten größere Budgets und Actionsequenzen, konnten aber nicht in allen Fällen an die erzählerische Tiefe der besten TNG-Episoden anknüpfen.
Die späte Fortsetzung mit „Star Trek: Picard“ (ab 2020) brachte Patrick Stewart noch einmal in die Rolle des gealterten Admiral Picard zurück – ein Projekt, das zwischen Nostalgie und Neuerfindung pendelte und bei Fans und Kritik gemischte Reaktionen auslöste. Die Serie unterstrich jedoch einmal mehr, wie zentral die Figur Picard für das kulturelle Gedächtnis des Star-Trek-Universums ist.
Bedeutung für Science-Fiction-Historie und Popkultur
Im Rückblick gilt Star Trek: The Next Generation als eine der einflussreichsten Science-Fiction-Serien des 20. Jahrhunderts – eine Serie, deren kultureller Fußabdruck weit über die Grenzen des Genres hinausreicht.
Popkulturelle Prägung
Die Bilder und Zitate aus TNG sind längst in die Alltagskultur eingesickert: Das „Picard Facepalm“-Meme gehört zu den meistverbreiteten Internetbildern weltweit. Picards Kommandos „Make it so“ und „Engage“ sind zu geflügelten Worten geworden. Die Figur Picard selbst – in Auftritten jenseits der Serie, in Parodien und Referenzen – ist ein Symbol für besonnene Führung geworden.
Technologisch hat TNG visionäre Kraft bewiesen: Die Tablets, die an Bord der Enterprise-D „PADDs“ genannt wurden, nahmen das iPad um Jahrzehnte vorweg. Sprachgesteuerte Computer, universelle Übersetzer und medizinische Tricorder inspirierten reale technologische Entwicklungen. In italienisch, französisch und spanisch synchronisierten Fassungen wurde die Serie weltweit zum Phänomen.
Wissenschaftliche und ethische Diskurse
Data – der Android, der ein Mensch sein möchte – inspirierte Debatten in Informatik, Robotik und KI-Ethik, die bis heute relevant sind. Die Frage „Ab wann ist eine künstliche Intelligenz eine Person?“ wurde in „The Measure of a Man“ bereits 1989 gestellt – Jahrzehnte bevor ChatGPT und autonome Systeme diese Frage in die breite Öffentlichkeit trugen.
Bildung und Medienpädagogik
In Filmwissenschaft und Medienpädagogik wird TNG als Beispiel für „optimistische Zukunftsvision“ und politisches Fernsehen genutzt. Die Serie bietet einen Gegenentwurf zu dystopischen Narrativen und zeigt, dass Science-Fiction nicht nur Warnung, sondern auch Inspiration sein kann. Diese Seite der Serie – ihr utopischer Kern – macht sie zu einem wertvollen Objekt für den Unterricht in Fächern wie Medienethik, politische Bildung und Filmanalyse.
Filmwissenschaftliche Perspektive: Figuren, Konflikte, Utopie
TNG eignet sich hervorragend, um filmische und erzählerische Konzepte zu erläutern – und passt damit exakt zum Profil unseres Filmlexikons. Kaum eine andere Serie bietet so viele Ansatzpunkte für die Analyse von Figurenkonstellationen, Konfliktstrukturen und visueller Erzählweise.
Archetypische Figurenkonstellationen
Die Crew der Enterprise-D bildet ein klassisches Ensemble archetypischer Rollen: Picard als Mentor und Entscheider, Riker als Handelnder und Stellvertreter, Data als Außenseiter und Suchender, Worf als Krieger zwischen zwei Welten, Troi als empathische Vermittlerin, Wesley als Schüler. Diese Konstellationen werden im Drehbuch immer wieder variiert – ein Verfahren, das in der Analyse von Figurenkonstellationen exemplarisch studiert werden kann.
Die Utopie der Föderation
Die Vereinigte Föderation der Planeten ist ein bewusster Gegenentwurf zu dystopischer Science-Fiction. Konflikte werden über Verhandlung, Ethik und Recht gelöst – nicht über Gewalt. Dieser utopische Rahmen ist filmisch relevant, weil er die Autoren zwingt, dramatische Spannung aus moralischen Dilemmata statt aus physischer Bedrohung zu generieren. Die Antwort auf die Frage „Was ist richtig?“ ersetzt häufig die Frage „Wer gewinnt?“.
Inszenatorische Mittel
Regie, Schnitt und Mise-en-Scène unterstützen diese Themen konsequent: Dialogszenen auf der Brücke sind mit ruhiger Kameraführung inszeniert, die den Fokus auf Gesichter in Momenten moralischer Entscheidungen legt. Das Holodeck dient als Reflexionsraum, in dem Figuren – und damit die Zuschauer – ethische Szenarien durchspielen können. Die Beleuchtung wechselt subtil zwischen hellen, offenen Szenen der Ordnung und dunkleren, engeren Einstellungen der Krise.
Serienproduktion als Berufsfeld: Was TNG über Filmberufe zeigt
Eine große Serienproduktion wie TNG liefert ein praktisches Beispiel für zahlreiche Filmberufe – ein Aspekt, der im Kontext unseres Filmlexikons besonders relevant ist. Wer TNG aufmerksam schaut, erkennt die Arbeit zahlreicher Gewerke, die gemeinsam ein komplexes Endprodukt schaffen.
Sichtbare Gewerke
Einige Berufsfelder treten bei TNG besonders deutlich hervor und zeigen exemplarisch, wie vielfältig Filmberufe in einer Serienproduktion und die zugrunde liegende Film- und Kameratechnik sind:
- Maskenbild: Das Alien-Make-up für Klingonen, Cardassianer, Romulaner und Dutzende anderer Lebensformen erforderte stundenlange Arbeit pro Drehtag. Die Maskenbildner von TNG gewannen mehrere Emmys für ihre Arbeit.
- Produktionsdesign: Die Brücke der Enterprise-D, der Maschinenraum, die Quartiere und Ten Forward wurden von Szenenbildnern entworfen, die eine kohärente visuelle Welt schaffen mussten, die über sieben Staffeln konsistent blieb – vergleichbar mit den Entscheidungen, die schon bei der Wahl des passenden Kamerasensors für ein Projekt getroffen werden.
- VFX-Artists: Modellbau, Motion Control und digitales Compositing für Raumschiffszenen, Spezialeffekte für Phaser, Transporter und Weltraumphänomene, unterstützt durch umfangreiches technisches Zubehör am Set.
- Drehbuchautoren: Die Autorengruppe von TNG liefert ein Beispiel dafür, wie kollaboratives Schreiben in einer Writers‘ Room-Struktur funktioniert.
- Regie: Verschiedene Regisseure – darunter Cast-Mitglieder wie Jonathan Frakes und LeVar Burton – inszenierten einzelne Folgen, was für die Vielfalt der Inszenierungsstile innerhalb einer Serie sorgte.
Einzelne Episoden eignen sich hervorragend, um diese Berufe im Unterricht oder Studium zu veranschaulichen: Folgen mit vielen Alienspezies zeigen die Arbeit der Maskenabteilung, Raumschlachten demonstrieren VFX-Handwerk, und Dialogepisoden wie „The Measure of a Man“ illustrieren das Zusammenspiel von Drehbuch und Regie.
Rezeption, Kritiken und Fan-Community
Die Rezeptionsgeschichte von TNG ist eine Geschichte des Wandels: von anfänglicher Skepsis zu nahezu universeller Anerkennung – ein Prozess, der sich gut mit Nachschlagewerken wie dem Lexikon des internationalen Films vergleichen lässt.
Zeitgenössische Reaktionen
Zu Beginn waren die Kritiken gemischt. Staffel 1 wurde von Fachpresse und Publikum gleichermaßen als unausgeglichen empfunden – die Figurenzeichnung galt als flach, die Geschichten als wenig originell. Die ersten Staffeln wurden von vielen Fans nicht überzeugt aufgenommen, und manche zweifelten, ob TNG jemals das Erbe der Originalserie antreten könnte.
Ab der dritten Staffel wandelte sich die Wahrnehmung grundlegend. Die wachsende erzählerische Tiefe, die stärkeren Drehbücher und die zunehmend nuancierte Darstellung der Figuren brachten TNG nicht nur die Zustimmung der Fans, sondern auch die Aufmerksamkeit der Kritik.
Auszeichnungen
TNG erhielt insgesamt 58 Emmy-Nominierungen und gewann 19 Emmys – größtenteils in technischen Kategorien wie Make-up, Kostüme und visuelle Effekte. In Staffel 7 wurde die Serie für den Primetime Emmy als „Outstanding Drama Series“ nominiert – eine seltene Ehre für eine Science-Fiction-Produktion jener Zeit. Darüber hinaus wurde TNG mit Hugo Awards, Saturn Awards und einem Peabody Award ausgezeichnet.
In Spitzenzeiten erreichte die Serie durchschnittlich über 20 Millionen Zuschauer in den USA – eine bemerkenswerte Zahl für eine syndizierte Serie ohne festen Network-Sendeplatz.
Fan-Community
Die Fan-Community um TNG ist eine der aktivsten und langlebigsten der Fernsehgeschichte. Conventions, Fanzines, Online-Foren und Cosplay-Events halten die Serie lebendig. Anhaltende Diskussionen über Kanon, beste Episoden, politische Lesarten und die Rolle von Patrick Stewart als seriöser Schauspieler im Science-Fiction-Fernsehen bezeugen, dass TNG weit mehr als nostalgische Unterhaltung ist.
Verfügbarkeit, Fassungen und Seh-Empfehlungen (Streaming, Blu-ray)
TNG ist heute in verschiedenen Fassungen zugänglich – eine wichtige Information für alle, die selbst schauen möchten oder die Serie für Lehrzwecke planen.
Streaming
Auf gängigen Streaming-Plattformen ist Star Trek: The Next Generation meist im HD- oder Remaster-Format verfügbar. Wer die Serie im Stream schauen möchte, sollte darauf achten, dass die angebotene Version tatsächlich die HD-Restauration und nicht die alte SD-Fassung nutzt – der Unterschied in der Bildqualität ist erheblich. Die genaue Verfügbarkeit variiert je nach Region und Anbieter.
Blu-ray-Editionen
Die Blu-ray-Editionen bieten die beste verfügbare Bild- und Tonqualität. Neben dem restaurierten HD-Bild und dem 7.1-Surround-Tonmix enthalten die Boxen umfangreiches Bonusmaterial: Audiokommentare, Making-of–Dokumentationen, gelöschte Szenen und Interviews mit Cast und Crew. Für cineastische und filmwissenschaftliche Analyse sind diese Extras besonders wertvoll, da sie Einblicke in Produktionsprozesse geben, die im fertigen Inhalt nicht sichtbar sind. Der Preis für die komplette Sammlung variiert – gelegentlich sind Gesamtboxen zu reduzierten Preisen erhältlich.
Empfehlungen für Neueinsteiger
Wer TNG zum ersten Mal sieht, hat zwei sinnvolle Optionen:
- Chronologisch ab Staffel 3: Die ersten beiden Staffeln überspringen oder mit ausgewählten Folgen (wie „The Measure of a Man“) stichprobenartig kennenlernen, dann ab Staffel 3 konsequent durchschauen.
- Must-See-Einstieg: Mit den oben genannten Schlüsselfolgen beginnen und anschließend vertiefen – ideal für Zuschauer, die wenig Zeit haben, aber die Qualität der Serie einschätzen möchten.
Einstiegstipps für neue Zuschauer: Von Sci-Fi-Fan bis Filmstudent
Ob langjähriger Science-Fiction-Fan, jüngerer Zuschauer auf der Suche nach Klassikern, Studierende der Filmwissenschaft oder Lehrkräfte, die nach Anschauungsmaterial suchen – TNG bietet für verschiedene Zielgruppen unterschiedliche Zugänge.
Fünf Episoden als Einstieg
| Episode | Staffel | Warum geeignet |
|---|---|---|
| „The Measure of a Man“ | Staffel 2 | Ethik, KI-Rechte, brillanter Dialog |
| „The Best of Both Worlds I+II“ | Staffel 3/4 | Spannung, Cliffhanger, Borg-Mythologie |
| „Darmok“ | Staffel 5 | Sprache, Kommunikation, kulturelle Differenz |
| „The Inner Light“ | Staffel 5 | Existenzielle Reflexion, emotionale Tiefe |
| „Chain of Command I+II“ | Staffel 6 | Politische Macht, Folter, moralische Grenzen |
Die Serie als Lernmaterial
TNG eignet sich hervorragend, um filmische Begriffe und Konzepte zu verstehen: Serien-Dramaturgie, Figurenentwicklung, visuelle Effekte, Kameraführung, Sounddesign. In unserem umfassenden Filmbegriffe-Lexikon finden sich vertiefende Artikel zu vielen dieser Themen.
Umgang mit schwächeren frühen Episoden
Die frühen Folgen sollten nicht als Fehler, sondern als Zeitdokumente betrachtet werden – und als Beispiel dafür, wie sich eine Serie im Laufe mehrerer Staffeln entwickelt. Die Schwächen der Anfangsjahre machen die spätere Qualität umso eindrucksvoller und bieten Material für die Analyse von Serienentwicklung als kreativem Prozess.
Viele Bilder und Visualisierungen: Wie der fertige Artikel aussehen sollte
Ein Artikel über TNG lebt von visueller Unterstützung. Für eine umfassende Darstellung empfehlen sich Produktionsstills der Brücke, Porträts der wichtigsten Figuren und Vergleichsbilder zwischen SD- und Blu-ray-HD-Fassung.
Filmwissenschaftliche Aspekte lassen sich visuell aufbereiten: Bildbeispiele für Beleuchtungskonzepte auf der Brücke, Kameraperspektiven in Dialogszenen, Holodeck-Szenen als eigene Bildstrecke. Bildunterschriften sollten informativ gestaltet sein – mit Angabe von Jahr, Staffel, Episode und dem filmischen Aspekt, der illustriert wird.

Im gesamten Artikel ist auf korrekte Schreibweise zu achten: ß und ss nach den Regeln der deutschen Rechtschreibung, korrekte Groß- und Kleinschreibung, präzise Titel der Serien und Episoden. Ein sorgfältig illustrierter Artikel unterstreicht den Bildungsanspruch des Filmlexikons und macht die Navigation durch die verschiedenen Themenfelder anschaulicher.
Fazit: Die anhaltende Relevanz von „Star Trek: The Next Generation“
Star Trek: The Next Generation bleibt auch Jahrzehnte nach der letzten Folge ein Referenzwerk für erzählerisch ambitionierte Science-Fiction im Fernsehen. Trotz der holprigen ersten Staffeln – die selbst Patrick Stewart als „zu theatralisch“ empfand – entwickelte sich TNG zu einer Serie, deren beste Episoden zu den stärksten Stücken gehören, die das Medium Fernsehen hervorgebracht hat.
Captain Jean-Luc Picard ist als komplexe, moralische Führungsfigur bis heute relevant – gerade im Vergleich zu den zynischeren oder ambivalenteren Serienhelden der Gegenwart. Picard steht für eine Idee von Führung, die auf Vernunft, Empathie und ethischer Reflexion basiert – Qualitäten, die in jeder Epoche gefragt sind.
Die Serie bietet sich gleichermaßen zum Genießen als Unterhaltungsformat wie zur analytischen Betrachtung in Studium, Schule und Weiterbildung an. Wer alles über Figurenentwicklung, visuelle Ästhetik und moralisches Erzählen im Fernsehen lernen möchte, findet in TNG ein ideales Studienmaterial.
Wir laden ein, in unserem Filmlexikon weitere Artikel zu filmischen Begriffen, Techniken und Berufen nachzuschlagen, die an TNG exemplarisch erkennbar sind – von visuellen Effekten über Dramaturgie bis hin zur Arbeit des Szenenbildners. Denn die weiten Horizonte des Star-Trek-Universums bieten nicht nur Unterhaltung – sie öffnen den Blick auf das Handwerk, das großes Fernsehen möglich macht.



