Filmbegriffe

Schuss-Gegenschuss

Filmlexikon | Was ist die Schuss-Gegenschuss-Montage?

Schuss-Gegenschuss Prinzip und Definition

Unter dem Begriff Schuss-Gegenschuss versteht man eine Montagetechnik, bei der abwechselnd zwei entgegengesetzte Blickwinkel eingenommen werden. Besonders häufig kommt diese Technik etwa in Dialogen zum Einsatz, bei denen die beiden Gesprächsteilnehmer abwechselnd gezeigt werden. Als Schuss-Gegenschuss-Verfahren ist sie zugleich eine der häufigsten Schnitttechniken im Film, vor allem in Dialogszenen zwischen zwei Akteuren, weil sie Beziehungen, Konflikte und Reaktionen klar darstellt. Für Filmbegeisterte, Schüler und Lehrer, Studierende der Filmwissenschaft sowie Filmschaffende ist sie ein zentrales Prinzip, um filmische Dialoge, Western-Szenen und visuelles Erzählen besser zu verstehen.

Soll die Schuss-Gegenschuss-Technik angewendet werden, werden in der Regel aber zunächst einmal die Positionen beider Gesprächspartner im Raum deutlich gemacht. Oft wird dazu mit einer Totalen oder einer Halbtotalen gearbeitet. Bei der anschließenden Schuss-Gegenschuss-Montage kommen dann meist nähere Einstellungsgrößen zum Einsatz, wobei die Einstellungsgröße in Dialogszenen Nähe, Intimität und Fokus zwischen den Figuren erzeugen kann, und die Kamera entweder über die Schulter der gerade nicht fokussierten Person filmt und diese so anschneidet (Over-Shoulder-Shot), wobei ein Teil der Person im Vordergrund die Szene räumlich verankert und die Darstellung wie auch die Orientierung des Gegenübers absichert, oder aber ganz die subjektive Perspektive der jeweils anderen Person einnimmt, sodass diese selbst nicht zu sehen ist.

Ein Over-Shoulder-Shot bei einer Schuss-Gegenschuss-Montage in einem Roadmovie.

Wird in Filmen oft kombiniert: Over-Shoulder-Shot und Schuss-Gegenschuss-Montage.

Der schnelle Wechsel der Einstellung im Rhythmus des Gesprächs simuliert einen natürlichen Dialogfluss, sorgt für einen flüssigen und emotionalen Eindruck und beeinflusst je nach Schnitttempo die Stimmung der Szene.

Wichtig für den erfolgreichen Einsatz der Schuss-Gegenschuss-Technik ist, dass die Blickachse der Dialogpartner beachtet wird. Die 180-Grad-Regel ist dabei das entscheidende Prinzip beziehungsweise Verfahren, weil sie die Handlungsachse und damit die räumliche Kontinuität und Orientierung in der Szene sichert. Das heißt, wenn Person A nach rechts aus dem Bild herausschaut, sollte Person B nach links aus dem Bild schauen, sodass beim Zuschauer das Gefühl hervorgerufen werden kann, dass sich beide Personen tatsächlich ansehen; im shot reverse shot beziehungsweise shot reverse blickt Person A im Bild also immer auf dieselbe Seite, während das Gegenüber auf die entgegengesetzte Seite schaut. Blicken beide Personen in die gleiche Richtung, führt dies zur Verwirrung des Zuschauers. Ein Achsensprung verletzt diese 180-Grad-Regel, kann Desorientierung auslösen und wird im klassischen Erzählkino meist vermieden.

Ein Mann und eine Frau, die beide winterliche gekleidet sind, schauen sich an und machen dabei ihre Blickrichtungen deutlich, die bei der Schuss-Gegenschuss-Technik berücksichtigt werden müssen.

  • Die Blickrichtung zweier Filmfiguren muss unbedingt berücksichtigt werden, wenn erfolgreich mit der Schuss-Gegenschuss-Technik gearbeitet werden soll.

    Schuss-Gegenschuss Verfahren und Einsatz

    Wie bereits beschrieben wird die Schuss-Gegenschuss-Technik vor allem in Gesprächssituationen zwischen zwei Filmfiguren eingesetzt. Doch es gibt noch weitere Einsatzmöglichkeiten. Im Vergleich zu anderen Montagetechniken stellt sie vor allem die Verbindung von Einstellungen her, damit Handlung und Geschehen klar nachvollziehbar bleiben. Beispielsweise könnte ein Cowboy in einem Westernfilm von hinten dabei gefilmt werden, wie er sich – von der Kamera weg – auf einen Saloon zubewegt. Nach einem Schnitt zeigt eine zweite Kamera, die aus dem Inneren des Saloons herausfilmt, wie der Cowboy – auf die Kamera zu – das Gebäude betritt. Dieser Wechsel zwischen zwei Seiten des Raums wahrt die Kontinuität und hält die Bewegung in ihrer räumlichen Form verständlich.

    Auch die klassischen Revolver-Duelle, die zu den meisten Wild-West-Filmen gehören, werden nahezu immer mithilfe der Schuss-Gegenschuss-Technik umgesetzt; bekannte Hollywood-Beispiele finden sich auch in Star Wars oder Der Pate.

    Parallelmontage verbindet dagegen Handlungsstränge an verschiedenen Orten. Match-Cuts erzeugen den Eindruck kontinuierlicher Bewegung, Jump-Cuts schneiden Teile einer durchgehenden Handlung heraus.

Zwei Cowboys stehen sich in einem Revolver-Duell, das per Schuss-Gegenschuss-Methode filmisch umgesetzt wird, gegenüber.

Per Schuss-Gegenschuss-Technik werden die Widersacher nacheinander in einem Revolver-Duell gezeigt. Harte Schnitte markieren deutliche Umbrüche, und Eisenstein beschrieb mit der Assoziationsmontage eine andere Form der Montage.

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