Der Clou (The Sting, 1973) – Analyse des Gaunerklassikers im Filmlexikon
Wenige Filme vereinen Spannung, Witz und Eleganz so mühelos wie Der Clou aus dem Jahr 1973. Mit Robert Redford und Paul Newman in den Hauptrollen, inszeniert von Regisseur George Roy Hill, definierte dieser Film das Genre der Gaunerkomödie neu und wurde mit sieben Oscars ausgezeichnet. In diesem umfassenden Artikel des Filmlexikons analysieren wir Handlung, Figuren, filmische Mittel und die anhaltende Wirkung dieses Klassikers.
Schnellüberblick: Warum „Der Clou / The Sting“ ein Klassiker ist
Der Clou ist eine Gaunerkomödie aus dem Jahr 1973, die von George Roy Hill inszeniert wurde und mit Robert Redford sowie Paul Newman zwei der größten Hollywoodstars der Epoche vereint. Der Film gewann 7 Oscars, darunter die Auszeichnung als bester Film, und gilt als einer der einflussreichsten Heist-Filme der Kinogeschichte.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:
- Originaltitel: The Sting
- Deutscher Titel: Der Clou
- Produktionsland: USA
- Laufzeit: 124 Min
- Kinostart Deutschland: 1974
- Genre: Gaunerkomödie, Heist-Film, Period Piece
Der Film spielt im Milieu von Chicago und Illinois der 1930er Jahre und erzählt eine Leinwandgeschichte voller überraschender Pointen mit hintergründigem Humor. Doch warum ist Der Clou heute noch relevant?
- Raffinierte Erzählstruktur: Mehrere Schichten des Betrugs halten das Publikum bis zum Schluss in Atem und belohnen aufmerksame Zuschauer mit einer meisterhaften Wendung.
- Unvergessliche Figuren: Die Mentor-Schüler-Dynamik zwischen Henry Gondorff und Johnny Hooker verleiht der Geschichte emotionale Tiefe jenseits des reinen Gaunerstücks.
- Ikonische Musik: Die Ragtime-Musik von Scott Joplin, arrangiert von Marvin Hamlisch, wurde zum akustischen Markenzeichen und weit über den Film hinaus populär.
- Einfluss auf das Genre: Von der Kapitelstruktur über die bewusste Irreführung des Publikums bis hin zur moralischen Ambivalenz setzte Der Clou Maßstäbe für spätere Heist- und Con-Filme.

Produktionsdaten und Eckdaten zu „Der Clou“
Für Filmfans und Studierende, die sich mit den Hintergründen des Films beschäftigen möchten, fassen wir hier die zentralen Produktionsdaten zusammen. Diese Eckdaten sind die Grundlage für jede fundierte filmwissenschaftliche Auseinandersetzung und verweisen auf zentrale Filmbegriffe im Lexikon.
Der Film trägt den Originaltitel „The Sting“ und kam in Deutschland unter dem Titel Der Clou in die Kinos. Die Regie übernahm George Roy Hill, das Drehbuch stammt von David S. Ward. Als Produzenten fungierten Tony Bill, Michael Phillips und Julia Phillips. Für die Musik zeichnete Marvin Hamlisch verantwortlich, der Ragtime-Kompositionen von Scott Joplin für den Film adaptierte. Die Kamera führte Robert Surtees, für den Schnitt war William Reynolds zuständig.
Weitere Eckdaten im Überblick:
- Produktionsfirma: Universal Pictures in Zusammenarbeit mit Zanuck/Brown Productions
- Verleih: Universal Pictures
- FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
- Genre-Zuordnung: Gaunerkomödie, Heist-Film, Period Piece
- US-Kinostart: Dezember 1973
- Deutscher Kinostart: 1974
- Laufzeit: 124 Min
Der Film hat eine Länge von 124 Minuten und wurde in verschiedenen Formaten veröffentlicht. Nach dem Kinoerfolg erschien Der Clou auf VHS, später auf DVD und Blu-ray. Restaurierte Fassungen in höherer Bildauflösung machen das visuelle Erlebnis auch heute noch zugänglich. Auf diversen Streaming-Plattformen ist der Film sowohl in der deutschen Synchronfassung als auch im englischen Original verfügbar.
Bemerkenswert ist das visuelle Konzept des Films: Das Posterdesign und die Zwischentitelkarten greifen den Illustrationsstil der 1930er Jahre auf und unterstreichen damit die zeitliche Verortung der Geschichte.

Handlung von „Der Clou“ – spoilerarme Zusammenfassung
Wer den Film noch nicht gesehen hat, findet hier eine Zusammenfassung der Handlung ohne die entscheidenden Wendungen. Im nächsten Abschnitt folgt dann eine detaillierte Nacherzählung mit allen Spoilern für Analyse und Referate.
Die Geschichte spielt im September 1936 und dreht sich um einen komplexen Betrug gegen einen Gangsterboss. Die Ausgangssituation:
- Johnny Hooker arbeitet als Kleingauner zusammen mit seinem Mentor Luther Coleman und einem dritten Gefährten in Joliet, Illinois. Die drei leben von kleinen Straßenbetrügereien und halten sich mit Tricks über Wasser.
- Bei einem vermeintlich harmlosen Coup erbeuten sie eine beträchtliche Summe aus einer Brieftasche – ohne zu ahnen, dass das Geld einem Geldboten des gefürchteten Gangsterboss Doyle Lonnegan gehört.
- Die Konsequenzen sind brutal: Lonnegan lässt Hookers Mentor Luther ermorden. Die Ermordung seines Freundes wird zum Auslöser für Hookers Racheplan.
- Hooker selbst gerät ins Visier von Lonnegan und muss aus Joliet fliehen.
Auf der Suche nach Hilfe reist Hooker nach Chicago und sucht den erfahrenen Betrüger Henry Gondorff auf. Gondorff ist ein in die Jahre gekommener Profi-Gauner, der im Verborgenen lebt. Gemeinsam beschließen sie, einen groß angelegten Plan zu entwickeln, um Lonnegan das Handwerk zu legen.
Das Herzstück des Betrugs: Es wird ein komplett fingiertes Wettbüro aufgebaut – mit falschen Angestellten, manipulierten Rennergebnissen und einer durchorchestrierten Inszenierung, die Lonnegan in die Falle locken soll. Die Durchführung des Plans beinhaltet ein gefälschtes Wettbüro, das bis ins kleinste Detail glaubwürdig wirkt.
Doch der Plan ist keineswegs ohne Risiko. Korrupte Polizisten wie Lt. William Snyder sind Hooker auf den Fersen, angebliche FBI-Agenten üben Druck aus, und Lonnegan sucht weiterhin nach den Gaunern. Der Film enthält Elemente von Katz-und-Maus-Spielen, die die Spannung konstant hochhalten, ohne den finalen Clou vorwegzunehmen.

Detaillierte Inhaltsangabe (mit Spoilern)
Achtung: Dieser Abschnitt enthält vollständige Spoiler zur gesamten Handlung. Er eignet sich für Analysezwecke und Referate, nicht für Zuschauer, die den Film zum ersten Mal sehen möchten.
Prolog und erster Coup
Der Film beginnt im September 1936. Johnny Hooker, Luther Coleman und ein dritter Komplize führen in Joliet, Illinois, einen klassischen Straßenbetrug durch. Sie fangen einen Geldboten ab und erleichtern ihn um eine beträchtliche Summe, die sich in einer Brieftasche befindet. Hooker verspielt seinen Anteil anschließend bei einem manipulierten Roulettespiel.
Was die Kleingauner nicht wissen: Das gestohlene Geld gehört einem Kurier des Gangsters Doyle Lonnegan. Der korrupte Polizist Lt. William Snyder verlangt ebenfalls seinen Anteil und droht Hooker mit Verhaftung. Kurz darauf lässt Lonnegan sowohl Luther als auch den Geldboten ermorden. Die Ermordung seines Freundes und Mentors Luther trifft Hooker schwer und wird zum zentralen Antrieb der Handlung.
Flucht nach Chicago und Treffen mit Gondorff
Hooker flieht nach Chicago, wo er den einst berühmten Profi-Gauner Henry Gondorff aufsucht. Gondorff lebt untergetaucht – betrunken und heruntergekommen betreibt er ein Karussell, das als Fassade für ein Bordell dient. Sein erster Auftritt täuscht über seine wahren Fähigkeiten hinweg.
Hooker überzeugt Gondorff, gemeinsam einen großen Streich gegen Lonnegan zu planen. Die beiden rekrutieren eine Gruppe erfahrener Gauner, darunter Kid Twist, J. J. Singleton, Billie und weitere Spezialisten. Jeder hat eine klar definierte Aufgabe im bevorstehenden Betrug.
Gondorff nimmt die Tarnidentität „Shaw“ an, während Hooker unter dem Alias „Kelly“ agiert.
Die Pokerpartie im Zug
Einer der berühmtesten Szenen des Films: Gondorff alias „Shaw“ steigt in den Luxuszug „20th Century Limited“ und lässt sich in eine private Pokerrunde mit Lonnegan einladen. Gondorff verhält sich absichtlich vulgär und provokant, um Lonnegan zu provozieren. Er setzt gezinkte Karten ein und gewinnt eine hohe Summe, wobei er den Bluff perfekt spielt.
Lonnegan verliert nicht nur Geld, sondern vor allem seine Fassung. Diese Demütigung macht ihn empfänglich für den eigentlichen Betrug: Er will Rache an „Shaw“ und ist bereit, hohe Summen zu riskieren, um es ihm heimzuzahlen.
Der Aufbau des Wettbüros
Das Team um Gondorff und Hooker richtet in einer angemieteten Lagerhalle ein komplett fingiertes Wettbüro ein. Dutzende Statisten werden als Wettende engagiert, falsche Rennberichte werden über Lautsprecher eingespielt, manipulierte Wettscheine gedruckt. Die Illusion ist perfekt.
Hooker nähert sich Lonnegan als „Kelly“ und gibt vor, ein gieriger Insider bei „Shaw“ zu sein, der bereit ist, seinen Chef zu verraten. Er bietet Lonnegan angebliche Insider-Informationen über Pferderennen an – sogenanntes „Past-Posting“, bei dem Ergebnisse angeblich vor der offiziellen Durchgabe bekannt sind.
Wachsende Spannung
Mehrere Bedrohungen verdichten die Handlung:
- Lt. William Snyder, der korrupte Polizist aus Joliet, verfolgt Hooker bis nach Chicago.
- Ein scheinbarer FBI-Agent namens Polk setzt Hooker unter Druck und droht ihm mit Verhaftung, falls er nicht gegen Gondorff aussagt.
- Die Kellnerin Loretta, mit der Johnny eine kurze Beziehung eingeht, entpuppt sich als potenzielle Gefahr.
- Lonnegan Killer suchen weiterhin nach Hooker.
Der Film behandelt dabei Themen wie Rache, Vertrauen und Täuschung auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Das Finale – Der große Clou
Im Höhepunkt des Films betritt Lonnegan das gefälschte Wettbüro, um eine riesige Wette zu platzieren. Die Inszenierung läuft zunächst wie geplant, doch dann stürmt das angebliche FBI unter Führung von Agent Polk den Raum.
In einer scheinbar chaotischen Situation „erschießt“ Polk Hooker vor Lonnegan. Gondorff wird ebenfalls niedergestreckt. Snyder wird von den falschen FBI-Agenten aus dem Raum gedrängt. Lonnegan, überzeugt von der Echtheit des Geschehens, flieht panisch – ohne sein eingesetztes Geld mitzunehmen.
Sobald er verschwunden ist, stehen Hooker und Gondorff lachend auf. Die Erschießung war inszeniert, die FBI-Agenten waren Teil der Gauner-Crew. Der gesamte Apparat – Wettbüro, Razzia, Schüsse – war eine einzige große Täuschung. Der Plan zur Täuschung von Lonnegan wird als „der Clou“ bezeichnet, und er ist perfekt aufgegangen.
Der Film endet mit einer meisterhaften Wendung: Hooker verzichtet auf seinen persönlichen Anteil. Es ging ihm nie um das Geld, sondern um die Rache für seinen ermordeten Mentor Luther. Die Charaktere agieren in einem Netzwerk von Betrügern, das am Ende geschlossen zusammenhält.
Analyse des Finales
Der doppelte Twist – erstens die falschen FBI-Agenten, zweitens die inszenierte Gewalt – ist das dramaturgische Meisterstück des Films. Das Publikum wird ebenso getäuscht wie Lonnegan selbst. Der Film enthält unerwartete Wendungen, die die Zuschauer überraschen und bei erneutem Sehen neue Details offenbaren. Dieses Finale gilt als Blaupause für spätere Heist-Filme und Con-Artist-Geschichten.
Figuren und Schauspieler: Robert Redford, Paul Newman & Co.
Die Chemie zwischen Robert Redford und Paul Newman ist das emotionale Fundament des Films. Nach ihrer ersten gemeinsamen Hauptrolle in „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ (1969) war Der Clou ihre zweite Zusammenarbeit unter der Regie von George Roy Hill – und sie funktionierte noch besser als die erste.
Johnny Hooker (Robert Redford)
Johnny Hooker ist der Hauptcharakter des Films. Er ist ein junger, impulsiver Trickbetrüger, der in den Straßen von Joliet als Kleingauner überlebt. Die Ermordung seines Freundes und Mentors Luther verwandelt den leichtsinnigen Ganoven in einen Mann mit Mission. Hookers Motiv ist Rache, doch im Verlauf der Geschichte lernt er von Gondorff, dass ein perfekter Betrug mehr erfordert als Wut: Disziplin, Vertrauen und Geduld.
Redfords Darstellung macht Hooker trotz seiner kriminellen Aktivitäten sympathisch. Sein jugendlicher Charme, seine Verletzlichkeit und sein unbedingter Wille, den Mord an Luther zu rächen, erzeugen Identifikation – obwohl der Zuschauer einen Gesetzesbrecher anfeuert.
Henry Gondorff (Paul Newman)
Henry Gondorff ist ein erfahrener Trickbetrüger und Mentor von Hooker. Sein erster Auftritt – betrunken, ungepflegt, in einem heruntergekommenen Hinterzimmer – täuscht bewusst über seine Fähigkeiten hinweg. Doch sobald der Plan Gestalt annimmt, zeigt sich Gondorff als brillanter Stratege mit einer Leidenschaft für die Kunst des Betrugs.
Newman verkörpert die Figur mit einer Mischung aus Coolness, Ironie und trockenem Humor. Seine lässige Körperhaltung und sein scheinbar müheloses Agieren bilden den perfekten Gegenpol zu Redfords nervöser Energie.
Doyle Lonnegan (Robert Shaw)
Doyle Lonnegan ist der brutale Gangsterboss im Film. Robert Shaw spielt ihn als eiskalten, arroganten Machtmenschen, dessen Kontrollzwang und Gier ihn letztlich verwundbar machen. Lonnegan ist kein stereotyper Schurke – er ist intelligent, gefährlich und einschüchternd. Dass ausgerechnet dieser Feind am Ende von einer Handvoll kleiner Gauner überlistet wird, macht die Überraschung umso wirkungsvoller.
Wichtige Nebenfiguren
- Luther Coleman (Robert Earl Jones): Hookers Mentor und Vaterfigur, dessen Tod die Handlung in Gang setzt.
- Kid Twist: Mitglied der Gauner-Crew, zuständig für technische Aspekte des Betrugs.
- J. J. Singleton (Ray Walston): Erfahrener Gauner, der die Crew mit seiner Routine verstärkt.
- Lt. William Snyder (Charles Durning): Korrupter Polizist, der Hooker verfolgt und erpresst.
- Loretta: Kellnerin, die kurzzeitig als emotionale Stütze fungiert.
- Falsche FBI-Agenten: Schlüsselfiguren des finalen Twists.
Star-Image und Wirkung
Die Hauptdarsteller sind Robert Redford und Paul Newman – zwei Stars, deren Image gezielt eingesetzt wird. Redford verkörpert den All-American-Typ: attraktiv, jugendlich, idealistisch. Newman hingegen steht für Erfahrung, Weltschmerz und elegante Ironie. Ihre beiden Auftritte als Partner im Verbrechen erzeugen eine Sympathieverschiebung: Das Publikum hält zu den Gaunern, nicht zum Gesetz.

Regiearbeit von George Roy Hill
George Roy Hill hatte sich bereits mit „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ als Regisseur etabliert, der Abenteuer und Humor auf unverwechselbare Weise verbinden konnte. In Der Clou perfektionierte er diese Handschrift.
Leichtigkeit und Kontrolle
Hills Inszenierung zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Balance aus: Der Film wirkt leicht und spielerisch, ist aber bis ins kleinste Detail kontrolliert. Jede Szene hat ein präzises Tempo, jeder Übergang zwischen Spannung und Entspannung ist bewusst gesetzt. Regisseure leiten die kreative Vision eines Films, und Hill demonstriert hier, wie vollständige Kontrolle über Rhythmus und Ton ein Werk prägen kann.
Kapitelstruktur als Stilmittel
Hill strukturierte den Film in Kapitel, die durch Zwischentitelkarten angekündigt werden: „The Set-Up“, „The Hook“, „The Tale“, „The Wire“, „The Shut-Out“, „The Sting“. Diese Karten, gestaltet im Illustrationsstil der 1930er Jahre, erfüllen mehrere Funktionen:
- Sie gliedern die Handlung und geben dem Publikum Orientierung.
- Sie erzeugen Erwartung und setzen dramaturgische Markierungen.
- Sie verleihen dem Film eine altmodische Note, die an das goldene Zeitalter Hollywoods erinnert.
- Sie wirken zugleich ironisch und distanzierend, als würde ein unsichtbarer Erzähler das Spiel kommentieren.
Ensemble-Choreografie
Besonders beeindruckend ist Hills Fähigkeit, Ensemble-Szenen mit vielen Statisten zu choreografieren. Ob im überfüllten Wettbüro, im engen Zugabteil oder in verrauchten Kneipen – trotz der Komplexität der Räume und der vielen Figuren behält der Zuschauer stets die Übersicht. Hill nutzt klare Kamerawinkel, sorgfältige Platzierung der Hauptfiguren und einen Schnitt, der die Aufmerksamkeit lenkt, ohne hektisch zu wirken.
Zeitkolorit ohne Schwere
Hill achtet auf eine atmosphärische, aber nie erdrückende Darstellung der 1930er Jahre. Kostüme, Ausstattung, Fahrzeuge und Requisiten evozieren die Epoche, ohne in dokumentarische Nüchternheit zu verfallen. Das Chicago der Depression-Ära bleibt stilisiert und idealisiert – eine Filmwelt, die mehr an elegante Genrefilme erinnert als an Sozialreportagen.
Visuelle Gestaltung: Kamera, Ausstattung, Kostüm
Aus filmwissenschaftlicher Perspektive ist die visuelle Gestaltung eines Period-Piece-Gaunerfilms entscheidend: Sie muss eine vergangene Epoche glaubhaft evozieren und gleichzeitig die Erzählung unterstützen. Kameraleute sind für die Bildgestaltung verantwortlich, und Robert Surtees‘ Arbeit in Der Clou ist ein Lehrstück dafür, wie sich durch präzise eingesetzte Filmtechnik und professionelles Film-Equipment eine stimmige Bildwelt erschaffen lässt.
Kameraarbeit
Surtees verfolgte einen überwiegend klassischen Stil: ruhige, klar komponierte Bilder, die dem Zuschauer Raum geben, Details zu erfassen. In Straßen- und Verfolgungsszenen wechselt er zu dynamischeren Fahrten, ohne den Gesamtrhythmus zu brechen. Besonders bemerkenswert sind die Iris-Ausblendungen, die an Stummfilme und frühe Tonfilme erinnern und den Retro-Charakter verstärken.
Farbpalette und Licht
Die Lichtgestaltung folgt einer klaren Logik und erzeugt eine spezifische Lichtstimmung, wie sie gezielt mit Filmlicht als gestalterischem Mittel und einem sorgfältigen Einleuchten der Szenen erzeugt werden kann:
- Warme Töne dominieren in Bars, Spielsälen und geschlossenen Räumen – sie vermitteln Intimität und Komplizenschaft.
- Kältere, kontrastreichere Beleuchtung prägt Gassen, Hinterhöfe und bedrohliche Außenszenen und demonstriert den bewussten Einsatz moderner Lichttechnik für filmische Atmosphären samt gezielt gesetztem Führungslicht als zentrale Lichtquelle.
- Sepia-artige Farbeffekte verstärken den Eindruck einer vergangenen Epoche und arbeiten mit einer sorgfältig kontrollierten Luminanz für historische Bildwirkung, wie sie etwa im Color Grading zur Stimmungssteuerung bewusst gestaltet wird.
Ausstattung und Setdesign
Die Ausstattung setzt auf akribische Detailarbeit. Das fingierte Wettbüro – mit Wettscheinen, Kreidetafeln, Telefonen und Lautsprechern – wirkt so überzeugend, dass nicht nur Lonnegan, sondern auch das Publikum vergisst, dass es sich um eine Kulisse handelt. Der Luxuszug als Schauplatz der Pokerszene kontrastiert mit den ärmeren Vierteln Chicagos und den zwielichtigen Hinterhöfen.
Die Dreharbeiten fanden sowohl auf dem Universal-Backlot als auch an realen Orten statt, darunter die Union Station in Chicago.
Kostüme als visueller Code
Kostümdesignerin Edith Head entwarf elegante Anzüge, Hüte, Overcoats und Accessoires, die nicht nur historisch korrekt wirken, sondern auch als visuelle Codes für Status und Zugehörigkeit funktionieren. Gondorffs Verwandlung vom verwahrlosten Trinker zum distinguierten „Shaw“ vollzieht sich maßgeblich über die Kleidung. Lonnegan maßgeschneiderte Anzüge signalisieren Macht und Kontrolle, während Hookers einfachere Garderobe seine Herkunft als Kleingauner verrät.
Musik und Sound – Ragtime als Markenzeichen
Der Ragtime-Soundtrack von Scott Joplin ist ein markantes Merkmal des Films und einer der Hauptgründe für seine anhaltende Bekanntheit. Arrangiert und adaptiert von Filmkomponist Marvin Hamlisch, wurde die Ragtime-Musik zum akustischen Erkennungszeichen des Clou und liegt in internationalen Fassungen oft als sorgfältig vorbereiteter IT-Ton ohne Dialoge vor.
Historische Verschiebung als Stilmittel
Interessant aus musikwissenschaftlicher Sicht: Ragtime als Musikstil gehört eigentlich in die Zeit um 1900 bis 1920, nicht in die 1930er Jahre, in denen der Film spielt. Diese bewusste Verschiebung ist kein Fehler, sondern ein Stilmittel. Die Musik erzeugt einen leichten, verspielten Ton, der zur Gaunerkomödie passt, ohne die Epoche dokumentarisch abzubilden.
Funktion der Musik im Film
Die Filmmusik erfüllt in Der Clou mehrere Funktionen und ist – ähnlich wie ein präziser Videoschnitt – zentral für Rhythmus und Wahrnehmung einzelner Szenen im filmischen Aufbau:
- Kontrapunkt zur Kriminalhandlung: Die fröhlichen, beschwingten Melodien kontrastieren mit der unterschwelligen Bedrohung und erzeugen eine ironische Brechung.
- Rhythmusgeber für Montagesequenzen: In Szenen ohne Dialog – etwa beim Aufbau des Wettbüros oder bei Hookers Flucht – gibt die Musik das Tempo vor.
- Charakterisierung: Die spielerische Qualität der Ragtime-Stücke spiegelt die Mentalität der Gauner wider, die ihren Betrug als Kunstform begreifen.
Oscar und Popularität
Hamlischs Partitur wurde bei den Academy Awards 1974 mit dem Oscar für die beste Adapted Score ausgezeichnet. Das Hauptthema „The Entertainer“ wurde nach dem Film zu einem eigenständigen Hit und tauchte in Radio, Werbung und Alltagskultur auf.
Tonmeister kümmern sich um die Audioaufnahme und -bearbeitung, und auch in dieser Hinsicht überzeugt der Film: Die Tonspur balanciert Dialogverständlichkeit mit atmosphärischen Geräuschen – dem Rattern von Zügen, dem Klingeln von Telefonen, dem Stimmengewirr in Spielhallen – und integriert authentischen O-Ton für mehr Realismus, wodurch deutlich wird, wie wichtig Akustik in der Filmproduktion und durchdachtes Sound Design in der Filmproduktion für Atmosphäre und Glaubwürdigkeit sind.
Struktur des „Clou“: Aufbau eines Heist-Films
Der Clou ist ein Musterbeispiel für die dramaturgische Struktur eines Heist- bzw. Con-Movies. Der Film zeigt, wie ein komplexer Betrug in klar gegliederten Phasen aufgebaut werden kann, ohne dass das Publikum die Übersicht verliert.
Der typische Heist-Aufbau
Die Handlung dreht sich um einen komplexen Betrug gegen einen Gangsterboss und folgt dabei einer etablierten Struktur:
- Vorstellung der Protagonisten und ihres Motivs: Hooker und Luther als Kleingauner, der tödliche Fehler, das Rachemotiv.
- Zusammenstellung des Teams: Gondorff rekrutiert erfahrene Spezialisten, jeder mit einer eigenen Aufgabe.
- Planung und Aufbau: Das gefälschte Wettbüro wird eingerichtet, Rollen verteilt, Abläufe geprobt.
- Durchführung mit Komplikationen: Der Betrug läuft, doch Polizei, FBI und Lonnegan sorgen für Gegenwind.
- Twist und Auflösung: Der finale Clou funktioniert – und überrascht nicht nur das Opfer, sondern auch das Publikum.
Kapitelüberschriften als dramaturgische Wegweiser
Die im Film verwendeten Kapitelkarten tragen Titel wie „The Set-Up“, „The Hook“, „The Tale“ und „The Sting“. Sie sind mehr als dekorative Zwischentitel:
- „The Set-Up“ markiert die Exposition und den auslösenden Moment.
- „The Hook“ beschreibt, wie Lonnegan geködert wird.
- „The Tale“ umfasst die Phase, in der das Opfer in die Geschichte hineingezogen wird.
- „The Sting“ benennt den finalen Coup.
Der Plan zur Täuschung von Lonnegan wird als „der Clou“ bezeichnet – und genau diese Bezeichnung gibt dem gesamten Film seinen Namen.
Informationsökonomie als Werkzeug
Der Film spielt gezielt mit dem Wissen des Publikums. Bestimmte Informationen werden bewusst zurückgehalten, sodass der Zuschauer zum Mitspieler und gleichzeitig zum Opfer der Täuschung wird. Diese Technik – in der Filmwissenschaft als Informationsökonomie bezeichnet – macht Der Clou voller überraschender Pointen und hält die Spannung bis zur letzten Minute aufrecht, ohne auf klassische Spannungsmittel wie den Cliffhanger im Film angewiesen zu sein.
Motiv des Betrugs: Themen und Motive des Films
Der Clou ist weit mehr als eine unterhaltsame Gaunerstory. Er stellt die Frage nach der Moral von Betrug und Gerechtigkeit und verhandelt dabei Themen, die über das Genre hinausreichen.
Wer betrügt wen?
Auf der Oberfläche betrügen Hooker und Gondorff den Gangsterboss Lonnegan. Doch der Film zeigt Betrug auf mehreren Ebenen:
- Die Gauner betrügen Lonnegan.
- Lonnegan und korrupte Polizisten betrügen die Gauner – oder versuchen es zumindest.
- Der Film selbst „betrügt“ das Publikum, indem er falsche Fährten legt und die wahre Natur des Finales verschleiert.
Moralische Ambivalenz
Loyalität und Verrat sind zentrale Themen unter den Charakteren. Der Film erzeugt Sympathie für die Trickbetrüger und Ablehnung gegenüber dem brutalen Gangster. Das Gesetz – verkörpert durch den korrupten Lt. William Snyder – ist keine moralische Instanz, sondern selbst Teil des Problems. Diese Umkehrung klassischer Gut-Böse-Schemata ist einer der Gründe, warum der Film auch bei wiederholter Sichtung fasziniert.
Klassenmotive
Im Hintergrund steht ein Klassengegensatz: kleine Gauner ohne Ressourcen gegen einen mächtigen, arroganten Feind mit nahezu unbegrenzten Mitteln. Die Depression-Ära der 1930er Jahre bildet den sozialen Rahmen, in dem Gaunertum als nachvollziehbare Überlebensstrategie erscheint.
Loyalität als emotionaler Kern
Was den Film über ein reines Genrestück hinaushebt, ist die Rolle von Freundschaft und Loyalität. Hookers Antrieb ist nicht Geld, sondern die Rache für Luther Coleman. Die Beziehung zwischen Hooker und Gondorff entwickelt sich vom Zweckbündnis zur echten Partnerschaft. Am Schluss des Films verzichtet Hooker auf seinen Anteil – nicht aus Edelmut, sondern weil der wahre Gewinn in der Loyalität liegt.
Humor und Spannung: Die Tonlage der Gaunerkomödie
Die Gaunerkomödie ist eine Mischform aus Kriminalfilm und Komödie, die das Verbrechen nicht tragisch, sondern spielerisch behandelt. Der Clou definierte dieses Genre für eine ganze Generation.
Wie der Film Humor erzeugt
Der Witz des Films entsteht auf mehreren Ebenen:
- Wortwitz und Dialoghumor: Pointierte Dialoge mit Doppeldeutigkeiten, Slang und trockenem Understatement.
- Situationskomik: Gondorffs Auftritt als betrunkener Karussellbetreiber, Hookers vergebliche Versuche, sein Geld im Glücksspiel zu vermehren, Snyders immer neue Demütigungen.
- Ironische Brechung: Gefahrensituationen werden durch überraschende Pointen entschärft, ohne dass die Bedrohung ganz verschwindet.
Die Spannungsebene
Gleichzeitig lässt der Film nie vergessen, dass die Konsequenzen tödlich sein können. Luther wurde ermordet. Lonnegan Killer sind real. Die Polizisten sind erpressbar, aber gefährlich. Diese Doppelstruktur – humorvoller Ton über einem Boden echter Bedrohung – macht den Film zu einem Paradebeispiel für das Genre der Crime Comedy.
Das Gleichgewicht
George Roy Hill hält dieses Gleichgewicht mit bemerkenswerter Präzision. Nie kippt der Film ins Alberne, nie wird er zu düster. Die Tonlage bleibt durchgehend unterhaltsam, ohne die Ernsthaftigkeit der Situation zu verleugnen. Aus filmwissenschaftlicher Sicht lässt sich hier der Begriff „Genre-Hybrid“ anwenden: Der Clou vereint Elemente des Kriminalfilms, der Komödie und des Period Piece zu einem eigenständigen Ganzen.

Historischer Kontext: Chicago 1936 und die Depressionszeit
Die Handlung spielt in Chicago in den 1930er Jahren – eine Zeit und ein Ort, die für den Film sorgfältig gewählt wurden. Der Film zeigt eine düstere Wirtschaftskrise während der Great Depression, nutzt diese aber weniger als dokumentarischen Hintergrund denn als stimmungsvolle Kulisse.
Das historische Setting
Im Jahr 1936 befanden sich die USA noch in den Nachwirkungen der Großen Depression. Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Unsicherheit prägten das Leben. Illegale Aktivitäten wie Glücksspiel, Wettbetrug und organisierte Kriminalität waren verbreitet und oft mit korrupten Behörden verflochten.
Chicago galt als Zentrum der organisierten Kriminalität. Die Prohibitionszeit (1920–1933) hatte Strukturen geschaffen, die auch nach ihrer Aufhebung fortbestanden: Netzwerke aus Gangstern, korrupten Polizisten und illegalen Geschäften.
Stilisierung statt Dokumentation
Der Clou nutzt diese historische Realität als Rahmen, nicht als Gegenstand. Die Filmwelt ist stilisiert und idealisiert: Pflasterstraßen, alte Automobile, Telefonleitungen, elegante Züge, Hüte und Overcoats erzeugen ein atmosphärisches Bild der Epoche. Doch es fehlen bewusst die harten sozialen Realitäten – Hunger, Elend, politische Konflikte.
Symbole der Epoche
Bestimmte visuelle und akustische Elemente dienen als Epochenmarkierungen:
- Züge als Symbol für Mobilität und Luxus (der „20th Century Limited“)
- Telefonapparate und Telegrafenleitungen als technische Marker
- Ragtime-Musik als akustischer Verweis auf eine bereits vergangene Ära
- Kleidung: Hüte, Anzüge, Overcoats als Codes der 1930er Jahre
Aus filmwissenschaftlicher Sicht lässt sich Der Clou als „Period Piece“ einordnen – ein Film, der eine vergangene Epoche evoziert, aber spielerisch mit Geschichte umgeht, statt sie realistisch abzubilden.

Oscars und Auszeichnungen: Der Erfolg von „The Sting“
Der Clou gehört zu den größten Oscar-Erfolgen der 1970er Jahre. Der Film gewann 7 Oscars bei der 46. Academy Awards-Verleihung im Jahr 1974 und setzte sich dabei gegen starke Konkurrenz durch.
Die sieben gewonnenen Oscar-Kategorien
| Kategorie | Preisträger |
|---|---|
| Bester Film | Produzenten Tony Bill, Michael & Julia Phillips |
| Beste Regie | George Roy Hill |
| Bestes Original-Drehbuch | David S. Ward |
| Bester Schnitt | William Reynolds |
| Beste Musik (Adapted Score) | Marvin Hamlisch |
| Bestes Szenenbild | Henry Bumstead |
| Beste Kostüme | Edith Head |
Weitere Nominierungen
Robert Redford war als Bester Hauptdarsteller nominiert, erhielt den Oscar in dieser Kategorie jedoch nicht. Insgesamt war der Film in zehn Kategorien nominiert.
Oscar-Kontext
The Sting konkurrierte unter anderem mit „Der Exorzist“ und weiteren starken Kandidaten des Jahrgangs. Dass eine Gaunerkomödie in so vielen Kategorien gewann, war keineswegs selbstverständlich – das Genre galt nicht als klassischer Oscar-Favorit. Der Erfolg unterstrich die Qualität des Films auf allen Ebenen: Drehbuch, Regie, Darstellung, Musik, Ausstattung und Handwerk.
Spätere Anerkennung
In den Jahrzehnten nach der Premiere tauchte Der Clou regelmäßig in Bestenlisten auf – sei es als einer der besten Heist-Filme aller Zeiten, als einer der besten Filme der 1970er oder als Paradebeispiel für gelungene Gaunerkomödie.
Rezeption: Kritik, Publikum und Kultstatus
Der Clou war sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum ein durchschlagender Erfolg. Die Verbindung aus handwerklicher Perfektion und reinem Unterhaltungswert sprach ein breites Spektrum von Zuschauern an.
Zeitgenössische Kritiken
Die Rezensionen der 1970er Jahre lobten überwiegend das Drehbuch, die Darsteller, die Musik und die Regie. Einige Kritiker merkten allerdings an, dass der Film „zu leicht“ mit seinem Stoff umgehe. Das Time Magazine etwa bemerkte, dass dem Film ein stärkeres Gefühl einer realen Großstadtunterwelt fehle und er mehr auf Stil als auf tiefere Charakterstudien setze.
Kommerzieller Erfolg
An den Kinokassen gehörte Der Clou zu den erfolgreichsten Filmen seiner Zeit. Bei einem vergleichsweise moderaten Budget entwickelte sich der Film zu einem der einträglichsten Werke der Universal Studios.
Kultstatus und Dauerbrenner
Im Laufe der Jahre entwickelte sich Der Clou zu einem Klassiker, der weit über seine Erstaufführung hinaus wirkt:
- Regelmäßige Fernsehausstrahlungen machten ihn einem Millionenpublikum bekannt.
- Die Veröffentlichung auf VHS, DVD und Blu-ray sicherte seine Verfügbarkeit über Jahrzehnte.
- In der filmwissenschaftlichen Lehre dient er als Studienobjekt für Narration, Genre, Star-System und Musikeinsatz.
- Der Soundtrack – insbesondere „The Entertainer“ – blieb als eigenständiges kulturelles Phänomen lebendig.
Filmlexikon-Perspektive
Für eine Filmanalyse bietet Der Clou reichhaltiges Material: von der Erzählstruktur über die Genrezuordnung bis hin zur Rolle des Star-Systems im Hollywood der 1970er Jahre.
Einordnung im Genre: Gaunerkomödie, Heist-Movie, Gangsterfilm
Der Film lässt sich an der Schnittstelle mehrerer Genres verorten. Um seine Position im Genresystem zu verstehen, lohnt ein Blick auf die relevanten Definitionen.
Gaunerkomödie
Eine Gaunerkomödie zeichnet sich dadurch aus, dass Trickbetrüger oder Kleinkriminelle als Protagonisten fungieren und ihre Machenschaften mit Humor und Sympathie dargestellt werden. Der Zuschauer wird zum Komplizen der Gauner – und genau das ist die emotionale Grundlage des Clou.
Heist-Film
Der Film ist ein Beispiel für das Genre Heist-Movie. Die typischen Elemente sind vollständig präsent: ein Team mit spezialisierten Fähigkeiten, ein detaillierter Plan, eine aufwendige Simulation, Komplikationen während der Durchführung und ein finaler Twist. Die Handlung dreht sich um einen komplexen Betrug gegen einen Gangsterboss – das Grundmotiv jedes großen Heist-Films.
Abgrenzung zum Gangsterfilm
Vom härteren Gangsterfilm und vom klassischen Kriminalfilm unterscheidet sich Der Clou in mehrfacher Hinsicht:
- Tonfall: Leichtigkeit und Humor statt existenzieller Schwere
- Gewaltdarstellung: Gewalt ist präsent, aber nicht grafisch oder zelebriert
- Fokus: Trick und Spiel statt Brutalität und Machtpolitik
- Sympathieführung: Das Publikum fiebert mit den Gaunern, nicht mit dem Gangsterboss
Einfluss auf spätere Filme
Der Clou wurde richtungsweisend für eine ganze Reihe späterer Produktionen, die ähnliche Genre-Mischungen aufweisen. Filme wie „Ocean’s Eleven“ (2001) greifen die Teamdynamik, den leichten Tonfall und die Twist-Struktur auf. Der Zuschauer als Mitspieler im Betrug, die Kapitelstruktur und die moralische Ambivalenz – all diese Elemente lassen sich auf Der Clou als Vorbild zurückführen.
Erzählperspektive und dramaturgische Tricks
Der Clou manipuliert sein Publikum mit denselben Methoden, die seine Figuren auf ihre Opfer anwenden. Das macht den Film nicht nur spannend, sondern auch filmwissenschaftlich faszinierend.
Perspektive und Informationslage
Die Erzählung folgt überwiegend der Sicht der Gauner-Crew, insbesondere der von Hooker. Doch der Zuschauer erhält keineswegs alle Informationen, über die die Figuren verfügen. Es gibt keinen allwissenden Erzähler – stattdessen wird das Publikum in einer begrenzten Perspektive gehalten, die gezielt Lücken lässt.
Red Herrings und Fake-Outs
Das Drehbuch setzt mehrere Red Herrings ein, die das Publikum auf falsche Fährten locken:
- Die scheinbar echten FBI-Agenten, die Hooker bedrängen, entpuppen sich als Teil des Betrugs.
- Die Figur der Kellnerin Loretta scheint eine emotionale Verbindung zu bieten, erweist sich aber als potenzielle Bedrohung.
- Die wachsende Bedrohung durch Snyder und Lonnegan Killer suggeriert ein tragisches Ende, das nie eintritt.
Der Plot Twist als Kernmechanismus
Der Film enthält unerwartete Wendungen, die die Zuschauer überraschen. Der finale Doppeltwist – die Inszenierung der FBI-Razzia und die vorgetäuschte Erschießung – funktioniert, weil der Film über zwei Stunden hinweg die Erwartung aufgebaut hat, dass die Bedrohungen real sind.
Informationsstände der Beteiligten
Die dramaturgische Wirkung entsteht aus der Diskrepanz zwischen dem, was verschiedene Parteien wissen:
| Wissen über den Plan | Wissen über FBI | |
|---|---|---|
| Gauner-Crew | Vollständig | Wissen, dass FBI gefälscht |
| Lonnegan | Nur Oberfläche | Hält FBI für echt |
| Publikum | Teilweise | Wird getäuscht |
| Lt. Snyder | Kein Wissen | Wird hereingelegt |
| Diese Informationsökonomie ist der Schlüssel zur Wirkung des Films. Das Publikum glaubt zu wissen, was geschieht, wird aber am Ende ebenso überrascht wie der Feind. |
Star-System: Robert Redford und Paul Newman im Doppelpack
Das Star-System Hollywoods beruht auf der Idee, dass bekannte Darsteller durch ihr Image und ihre Ausstrahlung einen Film wesentlich mitprägen. Die Zusammenarbeit von Robert Redford und Paul Newman in Der Clou ist eines der berühmtesten Beispiele für ein funktionierendes Star-Duo.
Vorgeschichte: „Butch Cassidy and the Sundance Kid“
Bereits 1969 hatten Redford und Newman unter der Regie von George Roy Hill in „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ zusammengearbeitet. Der Erfolg dieses Films schuf die Grundlage für eine erneute Zusammenarbeit und etablierte die beiden als eines der beliebtesten Leinwandpaare der Dekade.
Komplementäre Star-Images
Die Wirkung des Duos beruht auf dem Kontrast ihrer Images:
- Redford verkörpert Jugendlichkeit, Spontanität und eine gewisse Naivität. Sein Johnny Hooker ist impulsiv, charmant und verletzlich.
- Newman steht für Erfahrung, Ironie und kontrollierte Eleganz. Sein Henry Gondorff strahlt eine Ruhe aus, die auf jahrelanger Praxis basiert.
Diese Rollenverteilung spiegelt sich nicht nur in der Figurenzeichnung, sondern auch in der physischen Präsenz der Darsteller: Redfords nervöse Energie kontrastiert mit Newmans lässiger Körpersprache.
Sympathie für Gesetzesbrecher
Das Casting von zwei der charismatischsten Schauspieler ihrer Generation ist kein Zufall. Es dient einem dramaturgischen Zweck: Das Publikum soll mit den Gaunern sympathisieren, nicht mit dem Gesetz. Die Star-Präsenz von Redford und Newman macht es nahezu unmöglich, ihre Figuren moralisch zu verurteilen – selbst wenn sie objektiv Verbrechen begehen.
Der Clou wird oft als Paradebeispiel für funktionierendes Star-Duo im Mainstream-Kino der 1970er betrachtet. Die Chemie zwischen den beiden prägt den Film mindestens ebenso stark wie das Drehbuch oder die Regie.
Drehbuchanalyse: Aufbau, Dialoge, Szenenführung
Das Oscar-prämierte Drehbuch von David S. Ward gilt als Lehrbeispiel in Drehbuchkursen weltweit. Drehbuchautoren schreiben die Geschichten für Filme, und Wards Arbeit zeigt exemplarisch, wie Informationssteuerung, Dialogarbeit und struktureller Aufbau zusammenwirken können.
Strukturanalyse
Das Drehbuch folgt einer klassischen Drei-Akt-Struktur, die durch klare Wendepunkte gegliedert wird:
| Dramaturgisches Element | Szene im Film |
|---|---|
| Inciting Incident | Coup gegen Lonnegan |
| Erster Wendepunkt | Ermordung von Luther Coleman |
| Midpoint | Erfolgreicher Pokerbetrug im Zug |
| Zweiter Wendepunkt | FBI-Netz scheint sich um Hooker zu ziehen |
| Klimax | Finale im gefälschten Wettbüro |
| Jeder dieser Wendepunkte verschiebt die Machtverhältnisse und steigert den Einsatz. Ward konstruierte das Drehbuch so, dass jede Phase organisch aus der vorherigen erwächst. |
Dialogstil
Die Dialoge sind ein Meisterstück der Ökonomie: pointiert, mit Slang-Elementen durchsetzt, aber stets verständlich. Viele Gespräche tragen doppelte Bedeutungen – wenn Hooker und Gondorff über den Plan sprechen, verhandeln sie gleichzeitig ihr Vertrauen zueinander.
Beispielhafte Qualitäten der Dialoge:
- Ökonomie: Kein Wort zu viel, jede Zeile hat eine Funktion.
- Charakterisierung: Gondorffs trockener Humor versus Hookers impulsive Direktheit.
- Double Meanings: Viele Sätze haben eine oberflächliche und eine tiefere Bedeutung.
Set-ups und Pay-offs
Ward arbeitet konsequent mit dem Prinzip des Set-ups und Pay-offs: Kleine Details – ein Handschuh, ein Codewort, eine beiläufig erwähnte Regel – werden früh etabliert und zahlen sich später dramaturgisch aus. Diese Technik belohnt aufmerksame Zuschauer und funktioniert besonders gut bei wiederholter Sichtung.
Informationssteuerung
Die vielleicht wichtigste Leistung des Drehbuchs liegt in dem, was es nicht verrät. Ward enthielt dem Publikum bewusst zentrale Informationen vor – etwa die wahre Identität der FBI-Agenten oder den gesamten Umfang des Plans. Diese Strategie macht den Film zu einer der wenigen Leinwandgeschichten, bei der das Publikum am Ende ebenso verblüfft ist wie die Antagonisten.
Filmische Mittel: Schnitt, Übergänge, Kapitelkarten
Cutter bearbeiten das Filmmaterial nach Dreharbeiten, und William Reynolds‘ Arbeit in Der Clou zeigt, wie entscheidend der Filmschnitt für Timing und Wirkung ist, insbesondere am professionell ausgestatteten Schnittplatz, wo auch Bildanpassungen wie Cropping zur Formatkorrektur und der präzise Feinschnitt der endgültigen Fassung stattfinden.
Schnittrhythmus
Reynolds‘ Schnitt ist klassisch, aber hochpräzise. Er passt den Rhythmus an die jeweilige Szene an und nutzt dabei jeden Umschnitt als dramaturgisches Werkzeug:
- Ruhige Szenen (Gespräche zwischen Hooker und Gondorff): Längere Einstellungen, die den Darstellern Raum geben.
- Spannungsszenen (Verfolgungsjagden, Bedrohungen): Kürzere Schnitte, höhere Frequenz.
- Humorvolle Momente: Timing auf die Pointe, oft mit unerwartetem harten Schnitt.
Parallelmontage
Der Film nutzt Cross-Cutting als Form der Parallelmontage, um gleichzeitig ablaufende Handlungsstränge zu verbinden: Hookers Aktivitäten, Snyders Verfolgung, Lonnegan Machenschaften, und kombiniert dies mit klar strukturierten Dialogszenen in Schuss-Gegenschuss-Montage, die erst im präzisen Feinschnitt der Endfassung ihre endgültige Wirkung entfalten. Diese Technik der Montage erzeugt Spannung, ohne Verwirrung zu stiften, und vermittelt das Gefühl sich nähernder Kollision.
Kapitelkarten als stilistisches Mittel
Die grafischen Zwischentitel – gestaltet von Jaroslav Gebr im Stil der Illustrationen der „Saturday Evening Post“ – erfüllen mehrere Funktionen:
- Strukturierung: Sie gliedern den Film in klar benannte Abschnitte.
- Ironische Distanz: Sie kommentieren das Geschehen aus einer Metaebene.
- Retro-Ästhetik: Sie verstärken die Atmosphäre der 1930er Jahre.
- Erwartungssteuerung: Ein Titel wie „The Hook“ kündigt an, dass Lonnegan nun geködert wird.
Markante Übergänge
Besonders auffällig sind die Iris-Ausblendungen, die an frühe Kinotraditionen erinnern. Sie schaffen weiche, nostalgische Szenenwechsel, die zum Gesamtton des Films passen. Im Kontrast dazu stehen harte Schnitte in bedrohliche Situationen, die den Zuschauer aus der Behaglichkeit reißen.
Vergleich zu anderen Heist- und Con-Filmen
Der Clou steht in einer langen Tradition von Heist- und Con-Filmen, hat diese Tradition aber maßgeblich mitgeprägt und weiterentwickelt.
Vorgänger
Frühere Heist-Filme wie „Rififi“ (1955) oder „Le Cercle Rouge“ (1970) behandeln ähnliche Grundmotive – das Team, den Plan, die Durchführung –, unterscheiden sich aber grundlegend im Tonfall. Während diese französisch und italienisch geprägten Filme eine existenzielle Schwere mitbringen und Gewalt als reale Konsequenz zeigen, setzt Der Clou auf Leichtigkeit und spielerische Eleganz.
Nachfolger
Spätere Filme griffen zentrale Elemente des Clou auf:
- „Ocean’s Eleven“ (2001): Team-Dynamik, charismatische Anführer, leichter Tonfall, aufwendiger Betrug.
- „Catch Me If You Can“ (2002): Moralische Ambivalenz, Sympathie für den Betrüger, Katz-und-Maus-Spiel.
- „House of Games“ (1987): Psychologie des Betrugs, Zuschauer als Opfer der Täuschung.
Was Der Clou Richtungsweisendes beisteuerte
Mehrere Elemente des Films wurden richtungsweisend für das Subgenre des Con-Artist-Films:
- Betrug als Kunstform: Die Gauner betrachten ihren Coup als ästhetische Leistung, nicht nur als Verbrechen.
- Der Zuschauer als Mitspieler: Das Publikum wird Teil des Spiels und am Ende selbst getäuscht.
- Twist als Gattungsmerkmal: Der doppelte Boden am Schluss wurde zur Erwartung des Genres.
- Teamstruktur mit Spezialisierung: Jedes Mitglied hat eine klare Funktion – ein Muster, das bis heute gilt.
„Der Clou“ im Unterricht und in der Filmvermittlung
Aus Sicht des Filmlexikons eignet sich Der Clou hervorragend für den Einsatz in Schule, Universität und Filmbildung. Der Film bietet Anknüpfungspunkte für zahlreiche Unterrichtsthemen und ist dank seiner FSK-Freigabe ab 12 Jahren für ein breites Publikum zugänglich.
Mögliche Unterrichtsthemen
- Erzählperspektive und Twist: Wie steuert der Film das Wissen des Publikums? Wo werden Red Herrings eingesetzt?
- Genreanalyse: Was macht den Film zur Gaunerkomödie? Welche Elemente des Heist-Films sind erkennbar?
- Historische Darstellung: Wie werden die 1930er Jahre stilisiert? Unterschied zwischen Period Piece und Historienfilm.
- Star-System: Wie beeinflusst das Image von Redford und Newman die Wahrnehmung der Figuren?
Aufgabenvorschläge
- Szenenanalyse: Die Pokerszene im Zug oder das Finale im Wettbüro detailliert analysieren – Kameraeinstellungen, Schnitt, Dialogführung.
- Vergleich von Expositionen: Wie führt Der Clou seine Hauptfiguren ein im Vergleich zu einer anderen Gaunerkomödie?
- Musikanalyse: Welche Funktion hat die Ragtime-Musik in ausgewählten Szenen?
- Moralische Diskussion: Der Film stellt die Frage nach der Moral von Betrug und Gerechtigkeit – wie positionieren sich die Lernenden?
Hinweis auf Sensibilität
Trotz des leichten Tons enthält der Film Gewaltszenen (Mord, Bedrohung) und eine moralisch ambivalente Haltung gegenüber Kriminalität. Diese Aspekte bieten jedoch gerade im Unterricht wertvolle Diskussionsanlässe.
Verfügbarkeit, Fassungen und Sprachversionen
Der Film ist in verschiedenen Formaten und Sprachfassungen erhältlich. Hier ein Überblick für alle, die Der Clou sehen oder für Lehrzwecke einsetzen möchten.
Sprachfassungen
- Englisches Original: „The Sting“ – empfehlenswert für Analyse der Originaldialoge und Slang-Elemente.
- Deutsche Synchronfassung: „Der Clou“ – die verbreitetste Version im deutschsprachigen Raum.
- OmU: Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln.
Physische und digitale Formate
Der Film ist auf DVD, Blu-ray und in digitalen Kaufversionen verfügbar. Restaurierte Fassungen in höherer Bildauflösung bringen die Kameraarbeit von Robert Surtees besonders gut zur Geltung, unabhängig davon, ob der Film ursprünglich auf analogem Filmmaterial oder digitalen Formaten produziert und später neu abgetastet wurde. Wer nach dem Trailer sucht, findet diesen auf gängigen Videoplattformen.
Bonusmaterial
Verschiedene Veröffentlichungen enthalten Bonusmaterial, das für Filmstudierende besonders interessant ist: Interviews mit Beteiligten, Making-of-Dokumentationen und Audiokommentare, die Einblicke in die Produktionsgeschichte geben.
Trivia, Hintergründe und weniger bekannte Fakten
Wer bei Filmabenden oder in Referaten mit Insider-Wissen glänzen möchte, findet hier ausgewählte Hintergründe zum Film.
Casting und Besetzung
Die Besetzung hätte anders aussehen können. Vor der endgültigen Zusage gab es Diskussionen über alternative Darsteller für die Hauptrollen. Dass letztlich Robert Redford und Paul Newman gemeinsam mit George Roy Hill zusammenarbeiteten, war eine bewusste Entscheidung, an den Erfolg von „Butch Cassidy“ anzuknüpfen.
Robert Shaw als Doyle Lonnegan brachte eine Intensität in die Rolle, die den Gangsterboss zu einem der einprägsamsten Filmschurken der 1970er machte. Charles Durning als korrupter Lt. William Snyder ergänzte das Ensemble mit einer Mischung aus Bedrohlichkeit und unfreiwilliger Komik. Robert Earl Jones übernahm die Rolle des Luther Coleman, der als Mentor und Vaterfigur für Hooker fungiert. Ray Walston als J. J. Singleton brachte Erfahrung und Routine in die Gauner-Crew ein.
Drehorte
Die Produktion nutzte eine Mischung aus Studioaufnahmen auf dem Universal-Backlot in Kalifornien und Außenaufnahmen in Chicago. Die Bahnhofsszenen wurden teils in der echten Union Station und der LaSalle Street Station gedreht.
Musik-Rezeption
Die Verwendung von Scott Joplins Kompositionen führte zu einem regelrechten Ragtime-Revival. „The Entertainer“ wurde zu einem der meistgespielten Klavierstücke des 20. Jahrhunderts – eine Popularität, die direkt auf den Film zurückgeht.
Kapitelkarten-Design
Die ikonischen Zwischentitelkarten wurden von Jaroslav Gebr gestaltet, dessen Illustrationsstil sich an der „Saturday Evening Post“ orientierte – einer der bekanntesten amerikanischen Zeitschriften des frühen 20. Jahrhunderts.
Einfluss und Nachwirkung in Popkultur und Filmgeschichte
Der Clou ist über seine eigene Zeit hinaus im kollektiven Gedächtnis geblieben und hat in Popkultur und Filmgeschichte deutliche Spuren hinterlassen.
Zitate und Referenzen
Szenen aus dem Film werden regelmäßig in anderen Medien zitiert oder parodiert:
- Die Pokerszene im Zug als Inbegriff des eleganten Kartenspiels
- Die Kapitelkarten als Stilmittel, das in Serien und Filmen – etwa in verlängerten oder als Director’s Cut veröffentlichten Fassungen – aufgegriffen wurde
- Der finale Betrug als Referenzpunkt für „den perfekten Coup“ in der Popkultur
Struktureller Einfluss
Die Dramaturgie des „doppelten Betrugs“ – bei dem nicht nur das Opfer, sondern auch das Publikum getäuscht wird – wurde nach dem Clou zu einem wiederkehrenden Motiv in Con-Artist-Geschichten. Von Fernsehserien bis zu Romanen findet sich dieses Muster, das der Film populär gemacht hat.
Musikalische Nachwirkung
Die anhaltende Popularität von „The Entertainer“ und anderer Ragtime-Stücke in Werbung, Warteschleifen und Alltagskultur ist ein direktes Erbe des Films. Der Clou belebte das Interesse an Scott Joplin und seiner Musik, das weit über den Filmkontext hinausreicht.
Filmhistorische Bedeutung
In der Filmgeschichte markiert Der Clou einen wichtigen Moment: Er bewies, dass ein Genrefilm – eine Gaunerkomödie ohne tiefgreifende soziale Botschaft – auf höchstem handwerklichen Niveau funktionieren und von der Kritik ebenso gewürdigt werden kann wie von einem breiten Publikum. Der Film gewann 7 Oscars, darunter bester Film, und zeigte damit, dass Unterhaltung und Qualität sich nicht ausschließen.
Filmlexikon-Perspektive: Was Lernende aus „Der Clou“ mitnehmen können
Aus Sicht des Filmlexikons ist Der Clou ein ideales Beispiel, um verschiedene Filmbegriffe anschaulich zu machen. Als Lexikon für filmwissenschaftliche Begriffe sehen wir in diesem Film ein reichhaltiges Lehrobjekt.
Filmische Konzepte am Beispiel des Clou
An diesem Film lassen sich zentrale Konzepte der Filmwissenschaft demonstrieren:
- Genre-Mix: Wie verschmelzen Gaunerkomödie, Heist-Film und Period Piece zu einem einheitlichen Werk?
- Heist-Struktur: Wie funktioniert der dramaturgische Aufbau eines Coup-Films?
- Plot Twist: Wie bereitet ein Drehbuch eine Überraschung vor, die sowohl überraschend als auch logisch ist?
- Star-System: Wie beeinflusst das Image der Darsteller die Figurenwahrnehmung?
- Filmmusik: Wie kann Musik als Kontrapunkt, Rhythmusgeber und Stimmungserzeuger eingesetzt werden?
- Production Design** und Filmraum**: Wie erzeugen Ausstattung und Kostüme eine glaubhafte historische Welt?
Praxisbezug für Filmschaffende
Der Clou bietet konkrete Lernimpulse für verschiedene Gewerke:
- Drehbuchautoren: Informationssteuerung, Set-up/Pay-off, dialogische Ökonomie
- Regisseure: Tonbalance zwischen Humor und Spannung, Ensemble-Choreografie
- Schnittmeister: Timing von Gags und Suspense, Parallelmontage als Spannungsmittel
- Komponisten: Historisch „falsche“ Musik als bewusstes Stilmittel, Leitmotivtechnik
Weiterführende Themen
Wer sich vertieft mit den filmwissenschaftlichen Aspekten des Clou beschäftigen möchte, findet in unserem Filmlexikon verwandte Artikel zu Begriffen wie Heist-Film, Plot Twist, Montage, Filmmusik und Dramaturgie.
Fazit: Die anhaltende Faszination von „Der Clou / The Sting“
Der Clou ist eine Gaunerkomödie aus dem Jahr 1973, die auch mehr als fünfzig Jahre nach ihrer Premiere nichts von ihrer Faszination verloren hat. Der perfekte Mix aus Spannung, Humor und Stil macht ihn zu einem zeitlosen Klassiker, der bei jeder erneuten Sichtung neue Details und Schichten offenbart.
Die Erfolgsfaktoren liegen auf der Hand: Das Zusammenspiel von Robert Redford und Paul Newman, die souveräne Regie von George Roy Hill, das ausgefeilte Drehbuch von David S. Ward und die ikonische Musik von Marvin Hamlisch mit Scott Joplins Ragtime-Themen bilden ein Gesamtkunstwerk, in dem jedes Element die anderen verstärkt. Der Film wurde von George Roy Hill inszeniert und die Hauptdarsteller sind Robert Redford und Paul Newman – ein Team, das Kinogeschichte geschrieben hat.
Ob für Genrefans, die eine Leinwandgeschichte voller überraschender Pointen mit hintergründigem Humor suchen, für Filmstudierende, die dramaturgische Strukturen analysieren wollen, oder für Lehrende, die ein zugängliches Beispiel für filmwissenschaftliche Konzepte brauchen – Der Clou ist und bleibt eine lohnende Sichtung.
Wer nach dieser Analyse Lust bekommen hat, den Film (erneut) zu sehen, sollte dabei besonders auf die Details achten: die beiläufigen Set-ups, die Doppeldeutigkeiten in den Dialogen, die musikalischen Akzente. Und wer mehr über das Genre der Gaunerkomödie, die Kunst des Heist-Films oder die Funktionsweise von Plot Twists erfahren möchte, findet in unserem Filmlexikon die passenden Erklärungen und weiterführenden Artikel.




