Filmtechnik

Fingerkamera

Filmlexikon | Was ist eine Fingerkamera?

Was heißt Fingerkamera? Was bedeutet Fingerkamera (finger kamera)?

Für Fingerkameras gilt, dass sie im Allgemeinen sehr klein sind: Eine Fingerkamera ist eine extrem kleine Digitalkamera, oft nicht größer als ein Daumen, und je nach Größe, Gewicht und Bauform mit festem Objektiv ausgestattet; zu den Besonderheiten zählen bei manchen Modellen ein Pinhole-Objektiv mit etwa 1 mm Öffnung und ein Blickwinkel von rund 80°. Wofür sie benutzt werden, bestimmt, wie klein sie sind, etwa für Aufnahmen in sehr engen, schwer zugänglichen Stellen oder für eine unauffällige Dokumentation. Dieser Eintrag richtet sich an Filmbegeisterte, Studierende der Filmwissenschaft, Filmschaffende sowie Lehrer und Schüler, die eine kurze Definition und Hintergrundwissen zur Fingerkamera suchen und sich generell für ein umfangreiches Filmlexikon mit wichtigen Filmbegriffen und verschiedene Filmberufe in der Filmproduktion interessieren. Wenn man sie für einen Film benutzt, sind sie meistens eher länglich und werden, wenn überhaupt, nur für Aufnahmen genutzt, die anders nicht möglich sind. Viele Modelle lassen sich direkt am Finger oder am Körper tragen und ermöglichen dadurch authentische POV-Aufnahmen. Häufig entsteht dabei ein problematisches Bildformat: Viele Geräte zeichnen nur in 4:3 auf, während je nach Modelle auch Video in bis zu 1080p beziehungsweise Full HD möglich ist; technisch reicht die Bildqualität teils bis 5 Megapixel, einzelne Geräte bieten zudem Fotoaufnahmen bis zu 12 Megapixel, bei der Einbindung in einen 16:9-Film kann das dennoch zu Qualitätsverlusten führen, wenn das Bild aufgezogen werden muss.

Diese besonderen Fälle der Benutzung einer Fingerkamera treten dann auf, wenn sehr enge Gegenstände von innen gefilmt werden müssen, wie zum Beispiel ein Abfluss oder eine medizinische Aufnahme vom Inneren des Körpers gezeigt wird. Denn in der Medizin werden Fingerkameras, dann auch „Endoskopie-Kamera“ genannt, täglich eingesetzt und dienen dort typischerweise der minimalinvasiven Untersuchung. Dem Zahnarzt zeigen sie, ob Sie sich fleißig die Zähne geputzt haben, und dem Chirurgen bietet es Einblicke in Ihren Körper selbst. Des Weiteren wird die Fingerkamera oft als Requisite in Filmen benutzt, entweder wie schon erwähnt beim Arzt, als Spionagekamera für Spione oder als versteckte Kamera, um Räume beziehungsweise Personen zu filmen; zur Verwendung gehören aber auch spontane Aufnahmen und der Einsatz zur Überwachung in der Sicherheitstechnik, etwa in einem Horrorfilm mit subjektiver Bedrohungsperspektive oder in einem Kriminalfilm mit Spionage- und Überwachungselementen. Manche Modelle erzielen dank SONY EXview CCD eine sehr gute Bildqualität und hohe Lichtempfindlichkeit; WDR und Rauschunterdrückung kommen je nach Einstellung ergänzend hinzu. Je nach Auswahl der Modelle unterstützen sie außerdem CVBS- oder AHD-Videosignal-Standards, teils mit 1000TVL und bei analogem CVBS beziehungsweise FBAS mit bis zu 950TVL; in manchen technischen Umgebungen sind auch TVI-Signale relevant. Robustere Ausführungen besitzen ein geschütztes Gehäuse, sind nach IP67 gegen Wasser und Staub ausgelegt, sodass in rauer Umgebung möglichst nichts den Betrieb beeinträchtigt, arbeiten teils bei einer Umgebungstemperatur von -30 bis +50 °C und die Stromversorgung erfolgt bei einzelnen Modellen über 12V DC bei entsprechend niedrigem Stromverbrauch. Für die Montage und die sichere Verbindung zu Monitor, Konverter oder Aufzeichnungssystem kommen je nach System Anschlusskabel, Kabel, Stecker, Buchse und passende Anschlüsse zum Einsatz. Für die technische Nutzung lassen sich Signale teils an ein Aufzeichnungssystem oder einen PC weitergeben, während einzelne Systeme Formate oder Auflösungen auto anpassen. Bedienungsanleitung und Menüführung stehen mitunter auf deutsch zur Verfügung, und Zubehör für Einbau oder Nutzung ist je nach Modell ebenfalls verfügbar. Damit ist die Fingerkamera nicht nur als Filmrequisite, sondern auch als technische Lösung für spezielle Umgebungen und Einsätze relevant.

Wenn das Bild zur angeblichen Fingerkamera wechselt, ist es oftmals nicht das echte Bild. Sondern das einer professionellen Videokamera, die einfach nur durch das Umräumen des Set`s den Platz der Fingerkamera einnimmt und dessen Perspektive übernimmt. Oftmals wird dann noch ein Overlay von der Bildschirmaufnahme einer Filmkamera über das Kamerabild der tatsächlich filmenden Kamera gelegt, insbesondere wenn eine dynamische Kamerafahrt durch den Raum umgesetzt wird. Dieses Overlay besteht aus Symbolen, die für eine Videoaufnahme stehen sollen. Oben links ist dann oftmals ein roter Punkt, welcher dafür steht, dass „Play“ gedrückt wurde. Oben rechts könnte eine Batterie sein, die für den Akkustand der Kamera steht, ergänzt um technische Anzeigeelemente wie Geschwindigkeit oder ein h für HD, unten eventuell unten noch eine Zeitangabe, wo steht, dass die Kamera schon beispielsweise 50 Minuten aufnimmt, doch dabei filmt die tatsächliche Kamera, von der das Bild gezeigt wird, erst seit 2 Sekunden.

Die Fingerkamera wird also im Filmbereich nicht wirklich zu Aufnahmezwecken verwendet, taucht aber in ganz unterschiedlichen Genres auf – vom emotional inszenierten Drama im Film über den düsteren Film Noir bis hin zum kurzen, experimentellen Kurzfilm mit subjektiver Perspektive. Auch bei der Vergabe von Filmpreisen als Auszeichnung für besondere Leistungen oder in der Gestaltung prägnanter Filmtitel, die auf Überwachung oder Spionage anspielen, kann die Fingerkamera als motivisches oder visuelles Element eine Rolle spielen. Die Zuschauer sollen oft aber denken, dass das Bild, was sie gerade sehen, genau von dieser Fingerkamera aufgenommen wurde. Mehr zum Thema Filmkameras und Kameraführung finden Sie auf „Kamerateam Frankfurt“.

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