Historienfilm
Filmlexikon | Was ist ein Historienfilm?
Historienfilme Definition und Geschichte
Bei einem Historienfilm handelt es sich um einen Film, der entweder von historischen Ereignissen, Personen oder Bewegungen handelt oder aber dessen Handlung in einen historischen Kontext eingebettet ist. Der historische Film bedient sich dabei auch fiktiver Personen und Nebenhandlungen, um die Geschichte greifbarer zu machen und mit zusätzlichem Leben zu füllen. So entsteht bei Historienfilmen oft eine Mischung aus realem Geschehen und Fiktion, die auch in anderen Formaten wie dem Unternehmensfilm mit historischer Markenerzählung zu finden ist. Authentizität entsteht dabei häufig durch Detailtreue in Ausstattung, Schauplätzen und der Darstellung von Alltag. Auch der Ausstattungsfilm und Fiktionalität im historischen Erzählen müssen dabei kein Gegensatz sein. Zugleich zeigt ein Historienfilm nicht nur Vergangenheit, sondern reflektiert oft auch die Sicht und Zeitgeschichte seiner Entstehungszeit, wie es auch die Architektur historischer Filmpaläste als Kulturorte des Kinos widerspiegelt.

Historienfilme spielen oft an historischen Schauplätzen wie Schlössern oder Burgen, die zur Authentizität und zur glaubwürdigen Darstellung des historischen Alltags beitragen.
Für Filmbegeisterte, Studierende der Filmwissenschaft, Filmschaffende sowie Lehrer und Schüler bietet dieser Überblick die wichtigsten Aspekte des Historienfilms: eine klare Definition, typische Merkmale, seine Form als Verbindung von historischer Darstellung und filmischer Gestaltung sowie bekannte und beliebte Beispiele in chronologischer Reihenfolge und ergänzt damit ein umfassendes Filmlexikon rund um zentrale Filmbegriffe. Gerade deshalb ist das Genre im Kino so relevant, weil es Geschichte anschaulich vermittelt und in der Verbindung von Unterhaltung, Zeitbild und historischem Verständnis einen besonderen Zugang zu vergangenen Epochen eröffnet, was sich auch in der Würdigung durch Filmpreise für historische Produktionen zeigt.
Historienfilm Genres und Filme Liste
Die folgenden Beispiele decken verschiedene Epochen und Genres des Historienfilm ab und zeigen ihn als Kategorie des historischen Films, deren Wirkung stark von der Ausgestaltung des Stoffes und vom Einsatz von Techniken wie der Rückblende als filmischer Erzähltechnik abhängt. Dabei erhält römische Geschichte im Kino besonders viel Aufmerksamkeit und zeigt im Film oft ein deutliches Übergewicht; neben Schlachten ist auch der Krieg ein wiederkehrendes Motiv, wie es vor allem für opulent inszenierte Monumentalfilme mit historischen Stoffen typisch ist.
Als besonders authentisch wird etwa die BBC-Serie „The Eagle of the Ninth“ häufig genannt und steht exemplarisch für den britischen Zugang zur historischen Darstellung.
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Spartacus (1960), der in seiner Inszenierung noch deutlich von der Ästhetik des Stummfilms und frühen Kinos geprägt ist,
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Lawrence von Arabien (1962)
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Ghandi (1982)
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Amadeus (1984)
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Schindlers Liste (1993)
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Im Namen des Vaters (1993)
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Braveheart (1995)
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Gladiator (2000)
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Gangs of New York (2002), der Motive des Heimatfilms in historischer Stadtlandschaft variiert
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Der Untergang (2004)
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München (2005)
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Das Leben der Anderen (2006)
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The King’s Speech (2010)
Diese Filme zeichnen sich durch ihre unterschiedlichen Herangehensweisen an historische Stoffe aus und nutzen jeweils eigene Formen der Backstory für historische Figuren, die durch den bewussten Einsatz der Filmkamera in der historischen Inszenierung visuell unterstützt werden. So verbindet „Gladiator“ mit Russell Crowe in der Hauptrolle epische Schlachten mit einem persönlichen Racheplot, während „Braveheart“ mit Mel Gibson als Teil des Casts den Kampf um die Freiheit Schottlands thematisiert und in ihrer Ausstattung an aufwendig produzierte Kostümfilme mit historischer Kulisse erinnern, was die Arbeit zahlreicher Filmberufe in der historischen Produktion sichtbar macht. Viele dieser Werke sind Biopics, die das Leben berühmter Persönlichkeiten wie Gandhi oder Amadeus Mozart porträtieren und dabei sowohl historische Fakten als auch dramatische Elemente nutzen, um die Figuren lebendig und zugänglich zu machen; typische Motive sind dabei Macht, Verrat und Liebe, getragen von einer sorgfältig konstruierten dramaturgischen Struktur historischer Stoffe, die sich mitunter mit dem Genre des Musikfilms als biografischer Form überschneidet. Auch Liam Neeson steht mit Rollen in bekannten historischen Filmen exemplarisch für diese Form der Besetzung.
Der Regisseur Markus Schleinzer etwa ist bekannt für seine präzise Inszenierung, die sich durch eine sorgfältige Balance zwischen Authentizität und filmischer Dramaturgie auszeichnet und ihn in die Nähe des Autorenfilms mit klarer Regisseursignatur rückt, wie er auch für den Neuen Deutschen Film als gesellschaftskritische Bewegung prägend war. Auch Richard Linklater hat mit seinen Filmen immer wieder bewiesen, wie sich historische Begebenheiten mit modernen filmischen Mitteln verbinden lassen, um gesellschaftliche Entwicklungen und persönliche Geschichten in komplexen Narrativen des zeitgenössischen Kinos zu erzählen.
Neben den großen Hollywood-Produktionen gibt es auch deutschen und französische Historienfilme, die oft in wissenschaftlich begleiteten Zusammenhängen rezipiert werden, etwa über ein Buch aus einem filmwissenschaftlichen Verlag oder über begleitende Literatur, die auf ein breiter angelegtes Filmbegriffe-Lexikon für Theorie und Praxis zurückgreifen und zentrale Texte wie die Synopsis zur kompakten Inhaltsangabe einbeziehen. Diese Filme greifen häufig auf literarische Vorlagen zurück und zeigen die Entwicklung von Figuren in einem historischen Umfeld, sei es im Kontext des Zweiten Weltkriegs, des französischen Widerstands, von Perspektiven auf Frankreich oder der sowjetischen Gesellschaft, häufig in einer Form, die an das Doku-Drama als hybride Erzählweise erinnert. Die Reihe CineStoria zeigt diese akademische Begleitung ebenfalls; ihr erster Band erschien 2022 und arbeitet oft mit detaillierten Filmprotokollen zur Analyse der Inszenierung.
Die Rolle der Frau und der Familie im generationenübergreifenden Familienfilm wird in vielen Historienfilmen zunehmend stärker in den Fokus gerückt, um ein umfassenderes Bild der damaligen Gesellschaft zu vermitteln; die Figur der Mutter kann dabei als historische Ursprungsfigur besonders wichtig werden, insbesondere wenn historische Konflikte Elemente des Kriminalfilms wie Schuld und Verbrechen aufgreifen oder an narrative Muster des Märchenfilms mit fantastischen Motiven erinnern. Dabei stellen die Filme oft auch Fragen zur Moral und den Prozessen, die zu historischen Ereignissen geführt haben, und bieten so eine Lösung oder zumindest einen Ansatz zur Reflexion.
Insgesamt zeigt sich, dass Historienfilme nicht nur die Vergangenheit darstellen, sondern auch aktuelle gesellschaftliche Tendenzen widerspiegeln und zum Nachdenken über den eigenen Weg und die eigene Geschichte anregen, unter anderem über die Zeit ihrer Entstehung. Solche Fragen diskutieren Historiker auch im Seminar; die erste thematische Veranstaltung begann 2006 an der Universität Mainz. Sie sind somit ein wichtiges Werk in der Verbindung von Bildung, Unterhaltung und kultureller Reflexion und stehen in einem spannenden Dialog mit dem Dokumentarfilm als nicht-fiktionaler Geschichtserzählung, aber auch mit anderen Formaten wie dem TV Movie als speziell fürs Fernsehen produziertem Film oder Überlegungen zur Wirkung passender Filmtitel als Spiegel des Hauptthemas.
Neben monumental angelegtem Epos und Drama kann der historienfilm auch als Adaption oder sogar als Komödie auftreten und bewegt sich damit innerhalb der weiten Form des Spielfilms als fiktionaler Unterhaltungsform.



