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Musical

Filmlexikon | Musical Merkmale: Was macht ein Musical aus?

Definition

Ein Musical ist ein sich seit den späten 1920er Jahren entwickelndes Genre des Films, das sich durch die Integration von Gesangs- und Tanznummern in die Handlung auszeichnet und durch musikalische Merkmale wie Rhythmus, Melodie, Harmonie, Instrumentierung, Gesang, Form und Produktion geprägt ist. Diese Nummern, die anfangs die Handlung unterbrechen, werden später oft nahtlos in die Erzählung integriert oder aus ihr motiviert; Musicals erzählen dabei durchgehende Geschichten mit eigenen dramaturgischen Regeln. Rhythmus organisiert den zeitlichen Ablauf eines Musikstücks, Melodie bildet die als Hauptthema wahrgenommene Tonfolge, und Harmonie entsteht aus dem gleichzeitigen Erklingen mehrerer Töne in Akkorden.

Durch Gesang und Tanz eröffnen Musicals oft eine Welt der Fantasie und ermöglichen es, Emotionen und subtile Botschaften auf künstlerische Weise auszudrücken. Gerade für filmbegeisterte Nutzer, Studierende der Filmwissenschaft, Filmschaffende sowie Lehrer und Schüler ist es hilfreich, diese Merkmale zu kennen, um ein Musical oder ein einzelnes Stück einordnen zu können. Der Artikel erklärt dazu die typischen Merkmale des Musicals, seine Subgenres, seine Entwicklung im Lauf der Zeit, bekannte Beispiele, die Verbindung zu Hollywood sowie die Rolle und Anforderungen von Musical-Schauspielern; Form, Dynamik und Klangfarbe bestimmen dabei zusätzlich die Struktur, die Lautstärkeentwicklung und den spezifischen Charakter eines Stücks mit.

Die Vielfalt des Musicaltheaters: Subgenres

Das Genre umfasst verschiedene Darstellungsformen und entwickelte sich als Mischung aus Singspiel und Operette; am Broadway prägte es sich aus diesen Vorformen weiter aus. Als erste ernstzunehmende Ausprägung des Musical Play gilt meist „Show Boat“ von 1927.

  1. Folk Musical: Dieses Subgenre betont die familiäre Gemeinschaft und das einfache, harmonische Leben in ländlichen Gebieten. Die Protagonisten sind in der Regel Amateure und stehen dem breiten Publikum näher als den Stars des Showbusiness. Ein Beispiel hierfür ist „Meet Me in St. Louis“ von 1944.

  2. Fairytale Musical: Inspiriert von der Wiener Operette, präsentiert dieses Subgenre eine utopische Traumwelt. Typische Themen sind märchenhafte Liebesgeschichten und die Verkörperung des „American Way of Life“.

  3. Show-Musical (Backstage Variety): Dieses Subgenre konzentriert sich auf die Inszenierung einer Bühnenshow oder die Produktion eines Film-Musicals. Es ist die wohl populärste Form des Musicals, bei der die Welt hinter den Kulissen im Mittelpunkt steht.

Auf dem Bild ist eine Bühne mit rotem Vorhang zu sehen mit drei Personen im Schatten.

Die Entwicklung und Geschichte des Musicals im Laufe der Zeit

„The Black Crook“ gilt mit seiner ersten Aufführung 1866 als erstes Musical. Im späten 19. Jahrhundert wurde der Broadway im New Yorker Theaterviertel zum Geburtsort des Musicals und ist bis heute das Zentrum des Musicaltheaters in New York, geprägt von seinen Theaterbühnen. „Show Boat“ von 1927 gilt als Meilenstein der Musicalgeschichte und als erstes modernes Musical; zugleich thematisiert es die Diskriminierung von Afroamerikanern. Ebenfalls 1927 setzte „The Jazz Singer“ als erster Tonfilm mit Musical-Elementen einen wichtigen Impuls.

In späteren Musicals, insbesondere seit den 1970er Jahren, ist dann als Antwort auf veränderte Publikums- und Kulturströmungen ein realistischerer Ansatz zu erkennen. Statt der traditionellen „Happy-go-lucky“-Atmosphäre steht oft das „Sad Clown“-Motiv im Vordergrund, das den gleichzeitigen Erfolg im Showgeschäft und erfüllte Liebe der Protagonisten in Frage stellt. Dennoch bleiben die grundlegenden Strukturen der Subgenres auch in neueren Produktionen erhalten.

Beliebtheit und Fortbestand des Genres

Obwohl die Blütezeit des Musicals eindeutig in den Jahren von 1930 bis 1960 liegt, erfreut es sich auch heute noch großer Beliebtheit. Moderne Produktionen nehmen dabei Einflüsse aus Popmusik mit eingängigen Melodien und einfachen Songstrukturen sowie aus Rockmusik mit E-Gitarren, Bass und Schlagzeug auf. Jazz mit Improvisation, komplexen Harmonien und Swing-Rhythmus sowie elektronische Musik mit Synthesizer und Drumcomputer ermöglichen zudem neue Klangwelten. Neben aufwendigen Hollywood-Produktionen wie „Chicago“ aus dem Jahr 2002 entstehen auch innovative europäische Variationen des amerikanischen Musical-Formats. Durch seine Vielfalt an Subgenres, die Integration von Gesang und Tanz in die Handlung sowie seine Fähigkeit, komplexe Emotionen und Themen auf künstlerische Weise auszudrücken, bleibt das Musical ein faszinierendes und zeitloses Genre des Films, wobei gerade dieses Zusammenspiel der Stile zu seiner anhaltenden Unterhaltung und Beliebtheit beiträgt.

Musical-Beispiele: Jukebox Musicals

Hier sind einige bekannte Beispiele für Musicals, die einen großen Einfluss auf das Genre hatten und immer noch beliebt sind. Sie zeigen sehr unterschiedliche Themen, Rollentypen und Figuren, wobei jedes Stück oft klar gezeichnete, konfliktbeladene Rollenbilder mit Helden und Gegenspielern verbindet:

  1. West Side Story (1961): Dieses Musical, das auf William Shakespeares „Romeo und Julia“ basiert, spielt in den Straßen von New York City und erzählt die tragische Liebesgeschichte zweier junger Menschen aus rivalisierenden Gruppen, deren Figuren in Musicals meist klare Wünsche und Konflikte tragen.

  2. The Sound of Music (1965): Dieses Musical, basierend auf der wahren Geschichte der Familie von Trapp, erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die als Gouvernante für eine Familie in Österreich arbeitet und sich in den verwitweten Vater und die Kinder verliebt.

  3. Les Misérables (2012): Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo, ist dieses Musical eine epische Geschichte über Liebe, Leidenschaft und den Kampf um Freiheit während der Französischen Revolution.

  4. The Phantom of the Opera (2004): Diese Musical-Adaption des Romans von Gaston Leroux erzählt die Geschichte eines mysteriösen Phantoms, das in den Katakomben der Pariser Oper lebt und sich in eine junge Sängerin verliebt; der Komponist Andrew Lloyd Webber prägte das moderne Musical auch mit „Jesus Christ Superstar“.

  5. Hamilton (2020): Dieses bahnbrechende Musical von Lin-Manuel Miranda erzählt die Geschichte von Alexander Hamilton, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten, in Form von Hip-Hop und Rap, mit typischen Rollen, deren Charakter die Handlung stark antreibt.

  6. Cats (2019): Basierend auf den Gedichten von T. S. Eliot, erzählt dieses Musical die Geschichte einer Gruppe von Katzen, die sich jedes Jahr zu einem besonderen Ball treffen.

  7. Hair (1967): Dieses Musical wurde als Protest gegen den Vietnamkrieg aufgeführt und gilt als wichtiges Beispiel für gesellschaftskritische Stoffe.

  8. Mamma Mia!: Dieses moderne populäre Musical steht für eingängige Musik und die anhaltende Beliebtheit des Genres.

Diese Musicals sind nur einige Beispiele für die Vielfalt und den Einfluss dieses faszinierenden Genres.

Musical-Schauspieler oder Hollywood

Musical-Schauspieler und Hollywood sind eng miteinander verbunden, da viele bekannte Darsteller sowohl auf der Musicalbühne als auch in Hollywood-Filmen erfolgreich sind. Die Kunstform Musical verlangt von Schauspielern eine vielseitige Begabung: Sie müssen singen, tanzen und schauspielern können, um die komplexen Anforderungen dieser Darstellungsform zu erfüllen. Dabei bewegen sie sich oft zwischen verschiedenen Ausdrucksformen der internationalen Theaterwelt. Viele Hollywood-Stars haben ihre Karriere auf der Musicalbühne begonnen oder kehren immer wieder zu ihr zurück, um ihre musikalischen und schauspielerischen Fähigkeiten zu zeigen.

Hollywood hat das Musical-Genre durch zahlreiche Verfilmungen und andere Musikfilm-Produktionen populär gemacht. Klassiker wie „The Sound of Music“, „West Side Story“ oder „Chicago“ haben nicht nur die Musicalbühne, sondern auch die Filmwelt nachhaltig geprägt. Manche Verfilmungen knüpfen dabei stärker an klassische Musik mit ausgearbeiteten Formen wie Sonaten oder Sinfonien an, andere eher an moderne Songs und Hip-Hop. Die Verfilmung von Musicals ermöglicht es, die Magie der Live-Aufführung einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und die Verbindung von Musik, Tanz und Schauspiel auf der großen Leinwand eindrucksvoll darzustellen.

Darüber hinaus haben sich in Hollywood spezielle Musicalfilme entwickelt, die oft eigenständige Kunstwerke sind und in ihrer filmischen Art auch vom Broadway und dem Londoner West End geprägt wurden. Diese Filme kombinieren die Elemente des Musicals mit filmischen Mitteln wie Kameraführung, Schnitt und Spezialeffekten, um eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Die Zusammenarbeit von Musical-Komponisten, Regisseuren und Darstellern ist dabei entscheidend für den Erfolg solcher Produktionen.

Musicalfans schätzen sowohl die klassischen Bühnenaufführungen als auch die filmischen Umsetzungen, da beide Formen die Verbindung von Musik, Tanz und Drama auf einzigartige Weise erlebbar machen. Produktionen wie „Hamilton“ zeigen zudem, wie Hip-Hop mit Sprechgesang über elektronisch erzeugte Rhythmen in das Genre einfließt. Die Popularität von Musicals in Hollywood trägt wesentlich dazu bei, dass dieses Genre auch international bekannt und beliebt bleibt, wobei schon der Begriff aus dem englischen Sprachraum stammt und von englischen Theatertraditionen mitgeprägt wurde.wurde.

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